Donnerstag, 14. Juli 2011

Zero Degrees of Empathy

Gerade nach meiner kleinen Artikelserie zu Simon-Baron Cohens bin ich ja schon zu dem Schluss gekommen, das seine Forschung sehr spannend, aber seine Schlüsse sehr engstirnig sind. Als einer meiner Facebookkontakte diesen Artikel verlinkte: Ein Autismus-Forscher als Feindbild der Feministinnen und ich mich in den Kommentaren den Kritikern differenziert anschloss, wurde ich ziemlich angegiftet, ob ich den Baron-Cohens Bücher gelesen hätte, und nicht nur Interviews. Habe ich nicht, aber ich gehe nicht davon aus, dass er sich dort anders äussert. Ich wurde traurigerweise ziemlich bestätigt. Zwar habe ich nach wie vor kein Buch von ihm gelesen, aber die folgende, lesenswerte Kritik zu seinem neuestem Werk: Simon Baron Cohen, autism and empathy in dem er äusserst platt wirkt. Nicht nur meint er wieder den entscheidenden Unterschied zwischen männlichen und weiblichen Gehirnen gefunden zu haben und nicht nur dass. Er stellt Autisten und Asperger auf eine Stufe mit anderen Störungen in der Empathie, die aber doch gerade aus verschiedenen Elementen besteht. Die meisten Betroffenen haben mühe Gefühle zu lesen, aber sind sehr Mitfühlend. Er gruppiert sie zusammen mit Narzissten, bei denen genau das Gegenteil der Fall ist. Sie erkennen Gefühle, kennen aber kein Mitgefühl - und scheint nicht fähig diesen Grundlegenden Unterschied fest zu halten.

Die Kritik geht noch weiter und ich möchte sie hier nicht übersetzen, aber allen, die englisch können, sei der Artikel ans Herz gelegt.

Intersexion

Eine englischsprachige Dokumentation, auf 5 Teile aufgeteilt:

Dienstag, 17. Mai 2011

Mary Curie und die "Sichtbarkeit" weiblicher Leistungen


Quelle: xkdc

Dienstag, 22. Februar 2011

Die Ergebnisse meiner kleinen Umfrage

Beteiligt hatten sich 19 Personen 15 davon weiblich, nur 4 Personen männlich. Trotz der grossen “Werbung” auf AllesEvolution beteiligte sich von dieser Seite nur eine Person. So waren die meisten Teilnehmer Stammleser meines Blogs und einige folgten einer Bitte um Beteiligung auf dem Blog Mädchenmannschaft. Wenig überraschend daher die hohe Beteiligung von Personen mit Trans- oder Intersexuellem Hintergrund (9 Personen).

Eine erste grosse Überraschung ergab sich dagegen aus der Beteiligung von Intelligenz. Keine Person hatte einen IQ unter 100. Ich habe eine kleine Einteilung gemacht. Über 100 IQ Punkte: Begabt, über 130 IQ Punkte: Hochbegabt, über 150: Extrem Hochbegabt.
Alleine 5 Personen fallen unter “Extrem Hochbegabt”, 3 unter “Hochbegabt” und 5 unter “Begabt”, 6 Personen haben keine Angabe zum IQ gemacht, sind aber durchgängig studierend oder in einem akademischen Beruf tätig.

Eine weitere Auffälligkeit war das hohe Vorkommen des Hobbys (oder sogar Berufswunsches) Schreiben. Offensichtlich gibt es eine Korrelation zwischen gerne Schreiben und gerne Kommentieren ;-)

Ein zweites Problem ergab sich aus einer Schlussfolgerung im Vorfeld, die sich aus einer Fehleinschätzung des Themas Hochsensibilität ergab. Während ich in der Beschreibung der Denkmuster das exakte Gegenteil von hohem SQ fand, zeigte sich, dass die eigentliche Hochsensibilität damit gar nichts zu tun hatte und der Test meist auch bei Asperger-Persönlichkeiten hoch anschlug. Denn eines der kennzeichnenden Merkmale ist Reizüberflutung, die gerade Autisten recht gut kennen. Allerdings war die Aufnahme des Tests alles andere als Überflüssig, sondern brachte auch ansonsten neue Erkenntnisse, auf die ich noch eingehen werde.

Ich stelle mal frech in den Raum, das nur Männer wirklich einen hohen Freiheitsgad in ihrer Berufswahl haben. Da nur 4 Personen Männlich sind, schränkt das die Auswertbarkeit ein, dennoch steht dank der durchgängig hohen Intelligenz ein gewisser Ausgleich zur Verfügung, da diese bei beiden Geschlechtern die freie Berufswahl erleichtert.

Um die Daten auswertbar zu machen, wies ich jedem Beruf und jedem Hobby einen S (Systemisierend) und E (Empathie) Wert zwischen 0 und 5 zu, die der äusseren Einschätzung des jeweiligen Anteils am Berufsbild entspringen. Die Tabelle ist hier einzusehen.

Daraus abgeleitet erstellte meine beste Freundin und Betreiberin des Blogs “Was nu?” einige Tabellen zusammen:

SQVergleich

SQ Vergleich


 EQVergleich
EQ Vergleich

Trotz der Unübersichtlichkeit traue ich mich folgendes herauszulesen. Bei etwa der Hälfte aller Beteiligten ist die Kombination sehr prägend. Dabei hat der SQ viel mehr Einfluss als der EQ. Für die Personen, die in den Extrembereichen angesiedelt sind, ist die Berufs- und Hobbywahl fast zu 100% entsprechend. Ich biete da die nennenswerte Ausnahme.

Bei den Hobbys ist auffällig, das keine Person ein Hobby genannt hat, das 100%ig in das Bild passt, das von extrem hohem SQ gezeichnet wird, insbesondere Sammelleidenschaften.

Gerade bei Hobbies ist den meisten ein Ausdruck von Kreativität wichtig. Meine Vermutung, dass der SQ negativ mit dem Bedarf nach Kreativität korreliert, hat sich nicht bestätigt. Dann folgte ich einem anderen Verdacht und stellte fest, dass die Kreativität jedoch sehr stark mit den Werten des Tests auf Hochsensibilität korreliert:

Kreativitaet 

Christians These, Männer würden sich Hauptsächlich durch Statusgewinn motivieren, zeigte sich nicht, bei gerade mal vier männlichen Teilnehmern ist das allerdings auch nicht Aussagekräftig.

Wer die Daten nachvollziehen, oder selbst ein wenig damit Spielen will, kann sie inklusive der Diagramme hier laden.

Nur wenige Tage, Intersex-Dokumentation auf Arte

Nach der letzten Sendung wünschten sich einige Beteiligte Aktivisten noch einmal eine Nachbersserung und so wurde vor kurzem auf Arte eine weitere Sendung zu Thema Intersexualität ausgestrahlt: X:enius

Interessant Dick Swaabs Aussagen bei 16:00 Minuten:

“Das männliche Gehirn ist Grösser, dafür ist das weibliche Aktiver. Es gibt unterschiede in der Verbindung von rechter und linker Gehirnhälfte. Bei Frauen sind sie enger vernetzt. Das ist die Grundlage der weiblichen Intuition. Frauen können vielbesser unterschiedliche Informationen kombinieren und auswerten. Die Männer hingegen sind fokussierter.”

Also wieder genau die Unterscheidung zwischen hohem und niedrigem SQ.

Mittwoch, 9. Februar 2011

Die Auswirkungen von EQ, SQ und HSP auf die Arbeit

Der vorerst letzte Teil von:
Frau, Mann, Asperger?
Hochsensibel, Frau, Mann- Oder- Baron-Cohens blinder Fleck

Die beiden vergangenen Artikel sollten in etwa die zwei existierenden Eckpunkte erklären. Wie sich herausgestellt hat, löste die Beschreibung der dem Systemischen gegenüberstehenden Denkwelt erheblichen Widerstand aus. Alleine Christian postete gute 25 Kommentare auf den entsprechenden Artikel, und es gibt auf seinem Blog noch weiter. Offensichtlich mit einem provozierten Missverständnis.

Jedoch kam die Diskussion Inhaltlich schnell dorthin zurück, was der Auslöser für die hier Erfolgende Umfrage war: Das Meinungsbild in vielen Kommentaren, nicht nur bei Christian, auch da, wo Quote diskutiert wird, war immer dahingehend, dass ein hoher SQ gleichbedeutend mit wertschöpfender und zwischen den Zeilen auch unterstellt: innovativer Leistung ist.

Ich hielt dem schon länger anektodische Beispiele entgegen, das gerade Frauen in bestimmten Feldern, die man gerne diesem Leistungsbereich zuordnet, bessere Leistungen erbringen. Die Möglichkeit auf Aspergia.de, die eigenen EQ und SQ Werte zu testen, kannte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, und Aufgrund meines Berufs, der für mich auch ein wenig Berufung ist, ging ich eher davon aus, selbst einen hohen SQ zu haben. Dem war aber nicht so. Bei meiner Verteilung (Ich gebe sie unten an) müsste ich, nach gängigen Vorstellungen, eigentlich das Thema Informationstechnologie meiden wie die Pest und dürfte schon gar nicht erfolgreich darin sein.

Als ich diese Überlegungen laut machte, wurde mir so einiges Unterstellt, dass ich mit den zuvor genannten Beispielen nur meinen “maskulinen” Beruf verteidigen wolle ( den ich ja dann wohl fälschlicherweise ergriffen habe? )

Nach meinem Verständnis der “Art” des hohen SQs würde ich ausserdem davon ausgehen, dass ein solcher weniger Vereinbar mit kreativer und letztlich auch innovativer Arbeit ist. Der Systemiker braucht einen “Auftrag”.

Da ich aber nur mit unüberprüfbarem, anektodischen Berichten dienen konnte, kam die Idee auf, diese Umfrage zu machen, an der sich hoffentlich viele verschiedene Menschen beteiligen.

Die Idee ist es, an folgenden drei Tests Teilzunehmen und ein paar Fragen zu beantworten und diese dann in der Kommentarsektion, auf Wunsch Anonym, einzustellen:

Die drei Tests sind folgende:
Auf Aspergia:
Der EQ (Empathy Quotient)
http://www.aspergia.de/index.php?cat=Tests&page=EQ-Test
Der SQ (Systemizing Quotient)
http://www.aspergia.de/index.php?cat=Tests&page=SQ-Test
Auf zartbesaitet.net ein HSP Test (der eine Zahl ergibt)
http://www.zartbesaitet.net/test.htm

Und die Fragen folgende:

Geschlecht (bei TG / TS / IS auch gerne tiefergehende Angaben)?
Ausgeübter Beruf?
Traumberuf?
Motivierender Faktor bei der Arbeit?
Würden sie ihre Arbeit als Kreativ einschätzen (0 - “Gar nicht” bis 5 - sehr)
Liebstes Hobby?
Motivierender Faktor beim Hobby?
Würden sie ihr Hobby als Kreativ einschätzen (0 - “Gar nicht bis 5” - sehr)
IQ, Falls bekannt?

Und damit jemand den Anfang macht, werde ich selbst den ersten Eintrag machen.



Nachtrag 22.2.2011: Eine Interpretation der Ergebnisse der Umfrage gibt es hier.

Dienstag, 8. Februar 2011

Hochsensibel, Frau, Mann? Oder: Baron-Cohens blinder Fleck

Fortsetzung von Frau, Mann, Asperger?

Baron-Cohens zweiter Fehler war seine Fixierung auf eine Seite der Medallie. Er, selbst zum systemisieren neigend, betrachtet er offensichtlich diese Denkart als einzig Sinnvolle. Was auf der anderen Seite des SQ (Systemizing Quotient) steht, hat er nicht erfragt und dagegen den hohen EQ (Empathy Quotient) gesetzt, der ja grob in umgekehrter Relation steht.

Was wohl Baron-Cohen denkt, was sich dort befindet? Bei AllesEvolution.wordpress.com glaubt man(n) zu wissen, was ich dort findet. Menschen, die nicht Rational denken können, sich niemals mit den Freuden höherer Mathematik auseinandersetzen können und in der Königsdisziplin Schach prinzipiell schlecht da stehen. Ergo keine Menschen, die grosse Leistungen vollbringen können. Stattdessen seien solche Menschen, wie der hohe EQ ja zeigt, in Gefühlen verfangen, die sie viel zu irrational machen.

Der schon zuvor zitierte Mark Gungor kommt einen ganzen Schritt weiter, doch auch bei ihm fällt auf, dass er die Sache gewissermassen von Aussen betrachtet, und “Gefühlen” hier einen, nun ja, interessanten Stellenwert zuweist.

Now womens brains are very, very different from mens brains. Womens brains are made out of a big ball of wire. And everything is connected to everything. Gzzzzzz. The Moneys connected to the car, the car is connected to your job and your Kids are connected to your mother and everything is to everything... Gzzzzzz... It's like the internet superhighway. OK? And its all driven by energy called emotion. Gzzzzzzzz. That is one of the reasons, why women tend to renember everything. Because, if you take an event and you connect it to an emotion it burns in your memory and you renember it for ever. The same thing happens for men, its just don't happen very often, because quite francly, we don't care. Women tend to care about everything.

And she just loves... Gzzzzzzzz

Nun, die Gehirne von Frauen sind sehr, sehr anders als die Gehirne von Männern. Die Gehirne von Frauen sind aus einem grossen Ball aus Draht gemacht. Alles ist mit Allem verbinden. Bsssssssss. Das Geld ist verbunden mit dem Auto, das Auto ist Verbunden mit der Arbeit und die Kinder sind verbunden mit deiner Mutter und Alles mit Allem. Bsssssss. Es ist wie das Internet. OK? Und alles wird bewegt durch eine Energie namens Emotion. Bsssssss. Das ist einer der Gründe, aus dem Frauen dazu neigen, sich an alles zu erinnern. Denn wenn du ein Ereignis nimmst, und es mit einer Emotion verknüpfst, brennt es sich in dein Gedächtnis ein und du erinnerst dich für immer daran. Das selbe passiert auch bei Männern, es passiert nur nicht oft, denn offesichtlich kümmert es uns nicht.

Und sie liebt es einfach.... Bssssssss.

Ich habe versucht, Christian, der das AllesEvolutionsblog Betreibt, zu erklären, was da vor sich geht, aber ich bin zig mal gescheitert. Und er machte mich darauf aufmerksam, dass ich meine Thesen wohl völlig aus der Luft greiffe, denn ihm sei keine Entsprechende Forschung bekannt. Das ist nicht weiter verwunderlich. Christian sucht vor allem nach zwei Sorten von wissenschaftlichen Erkenntnissen: Die, welche Männer, zumindest auf den ersten Blick, besser da stehen lassen und solche, die ihm verraten, wie er mehr Frauen ins Bett bekommt. Er nennt das Pick-Up.

Tatsächlich gibt es zu Asperger, das Simon-Cohen half, das systemische Element zu verdeutlichen auch eine Kondition, die Hilft, das umgekehrte zu verstehen. Die sogenannte Hochsensibilität. Im Gegensatz zu Asperger wird es nicht als Störung mit medizinischem Wert (also mit ICD Schlüssel versehen) betrachtet, sondern als eine oft vorkommende Aussergewöhnlichkeit, etwa 15% aller Menschen sollen davon betroffen sein. Eine Aufschlüsselung in Männlich und Weiblich konnte ich dabei nicht finden, was nahe legt, dass es keine grosse Auffälligkeit in Bezug auf Geschlecht gibt. Wie bei Asperger sind sowohl Frauen als auch Männer “betroffen”.

Auf der Einführungsseite (Bitte möglichst im Ganzen lesen) von hochsensibel.org findet man unter anderem folgendes:

Wissen HSPs jedoch um ihre Besonderheit können sie ihre Sensibilität häufig genießen, ja sogar nutzen. Wenn viel mehr Informationen verarbeitet werden müssen, führt dies automatisch zu mehr Verarbeitung. Das klingt banal, hat aber zur Folge, dass viele Hochsensible ständig mit Informationsverarbeitung sprich Analyse ihrer Eindrücke beschäftigt sind. Ihre entsprechenden Fähigkeiten sind hochtrainiert, und so vielschichtig und facettenreich ihre Wahrnehmung ist, so vielschichtig und facettenreich sind ihre Interpretationen der Welt. HSPs hüten sich vor verfälschend einfachen Denkmustern und kommen in ihrem Verständnis der Welt der überaus komplizierten und komplexen Realität weitaus näher als Nicht-HSPs.

Breiten Raum in ihrem Bewusstsein nimmt die Reflexion ein, sowohl über die äußere Welt als auch über sich selbst. Sogar vor dem Denken als Phänomen macht ihr Nachdenken nicht halt. Teilweise erschließen innere Dialoge auf verschiedenen und miteinander verknüpften Meta-Ebenen einen hochdifferenzierten Zugang zur Welt, der Stellung des Ich darin und zur Metaphysik.
Dies klingt vielleicht überheblich und abgehoben. Doch es stürzt in elementare Krisen, wenn z.B. aufgrund der erbarmungslosen Selbstreflexion die eigene Existenz plötzlich in Rechtfertigungsnöte gerät. Die Infragestellung von als selbstverständlich erachteten Fundamenten des (eigenen) Daseins kann an Abgründe führen; Depressionserscheinungen sind für manche HSPs bekannter Gefährte.
Doch hat man die Talsohle durchschritten und für sich selbst ein philosophisches System entwickelt, das der unbeschränkten Reflexion standhält, so ist diese geistige Grundlage des Lebens stabiler als alles andere, was diese Welt an Ideologien und Dogmen anbietet
...
Dies erscheint insbesondere plausibel, wenn man sich die Fähigkeit mancher HSPs vor Augen führt, scheinbar in die Zukunft blicken zu können: Was wie Wahrsagerei aussieht, ist in Wirklichkeit das teilweise unbewusste Erkennen hochkomplexer Kausalketten und übergeordneter Zusammenhänge, das Prognosen erlaubt, die bei Nicht-HSPs Staunen hervorrufen können. HSPs erkennen die Konsequenzen des Handelns schon im Voraus und neigen infolgedessen zu angemessener Vorsicht.

Es ist genau dies die äusserste Form. Und Betroffene leiden gerne mal am Cassandra Syndrom, da die Herleitung teils so Komplex ist, dass sie einem Systemisierer nicht mehr zu vermitteln ist.

Wie ich das aus unzähligen Diskussionen zum Thema Hirngeschlecht kenne…
Das äusserste E(mpathische Gehirn) ist alles andere als Irrational, legt es doch genau die Fehler, die beim bilden von Kästchen (Siehe ersten Teil) entstehen, ab.

Im 3. Teil: Die angebliche Neigung und Eignung von S / B / E Gehirnen für bestimmte Berufe – und der Versuch einer halbwissenschaftlichen Studie

Frau, Mann, Asperger?

Autismusforscher Simon Baron-Cohen vertritt die These, das Es drei Arten von Gehirnen gibt: Empathisch, Neutral und Systemisch. Das empathische Gehirn finde sich vor allem bei Frauen, das Systemische bei Männern. Und Asperger- und von schwererem Autismus betroffene hätten im Prinzip “Ultimativ männliche Gehirne”

In einem Interview des Spiegels wurde der Baron-Cohen gefragt:

SPIEGEL: Professor Baron-Cohen, Sie behaupten, technischer Sachverstand sei typisch fürs männliche Gehirn. Doch gestern hat uns ein weiblicher Flugkapitän von Hamburg nach England geflogen. Wie konnte das gut gehen?

Baron-Cohen: Ich sage nur: Frauen sind in der Regel eher an Gefühlen interessiert. Männer dagegen zeigen mehr Interesse an Systemen. Eine Frau fragt: "Wie fühlt sich das an?" Ein Mann fragt: "Wie funktioniert das?" Ausnahmen sind möglich, aber statistisch gesehen sind Frauen mit Talent zum Fliegen nun mal seltener als Männer

Ich frage mich nur. Wie kommen sowohl der Interviewpartner wie auch Baron-Cohen zum Schluss, eine Neigung zum Systematisieren würde eine besondere Begabung zum Fliegen beinhalten?

Schaut man sich Baron-Cohens Forschung genauer an, ist er erstaunlich generalisierend. Eigentlich werden Systemischer Quotient und Empathischer Quotient getrennt erfasst. Das eine ist nicht das Gegenteil des anderen. Man kann also eine ausgeprägte Empathie nicht einfach einem ausgeprägtem systemischen Verhalten entgegensetzen. Während sich unter Empathie eigentlich jeder etwas vorstellen kann, muss das systemische Prinzip erst mal erklärt werden:

Eine Person mit starker Neigung zu systemischem Handeln wird
- Systeme(*) analysieren, um ihre Funktionsweise zu verstehen
- Alles Kategorisieren
- Sich extrem an Ausnahmen stören. (Insbesondere bei Asperger-Zügen)

(*) System; Wikipedia erklärt kurz den Begriff:
Systeme organisieren und erhalten sich durch Strukturen. Struktur bezeichnet das Muster (Form) der Systemelemente und ihrer Beziehungsgeflechte, durch die ein System entsteht, funktioniert und sich erhält

Beim Analysieren dieser Strukturen und Beziehungsgeflechte (Relationen) versucht der Systemiker alles auf möglichst einfache Regelwerke herunter zu brechen.

Weiter schreibt Wikipedia:

2. Ein System in diesem Sinn lässt sich durch die Definition zweckmäßiger Systemgrenzen von seiner Umwelt (den übrigen Systemen) weitgehend abgrenzen, um es modellhaft isoliert beobachten und das Geschehen reflektieren zu können. Diese (vorübergehende) Einschränkung ist zweckmäßig, weil das menschliche Bewusstsein in seiner Auffassungsgabe systemischer Abläufe begrenzt ist.”

Dieser Punk Zwei ist enorm wichtig, um zu verstehen, wo systemisches Denken an seine Grenzen stösst. Der Lebensberater Mark Gungor fasst es in seinem Vortrag “Tale of Two Brains” zusammen.
”Mans brains are made of litte boxes. And we have a box for everything. We got a box for the car, we got a box for the money, we got a box for the job, we got a box for you, we got a box for the kids, we got a box for your mother, somewhere in the basement. We got boxes everywhere. And the rule is, the boxes don’t touch.

When a man discusses a particular subject, we go to that paricular box, we pull that box out, we open the box, we discuss only what is in that box, alright? And then we close the box, and put it away, being very, very carefull not to touch any other boxes.”

Die Gehirne von Männern sind aus kleine Kästchen gemacht. Und wir haben eine Kästchen für alles. Wir haben ein Kästchen für das Auto, wir haben ein Kästchen fürs Geld, wir haben ein Kästchen für die Arbeit, wir haben ein Kästchen für dich, wir haben ein Kästchen für die Kinder, wir haben ein Kästchen für deine Mutter, irgendwo im Keller. Wir haben überall Kästchen. Und die Regel ist: Die Kästchen berühren sich nicht.

Wenn ein Mann über ein bestimmtes Thema diskutiert, gehen wir zu jenem speziellen Kästchen, wir ziehen dieses Kästchen heraus, wir diskutieren nur darüber was in die diesem Kästchen ist, klar? Und dann schliessen wir das Kästchen, und legen es weg, dabei sehr, sehr vorsichtig, kein anderes Kästchen zu berühren.

Jedes dieser Kästchen ist ein abgegrenztes, isoliertes System. Das Thema Staatsverschuldung ist in einem anderen Kästchen (z.B. Politik) gespeichert als Zinseszins (z.B. Geld).
Der Zinseszins wird z.B. Positiv gesetzt: “Ich bekomme für mein Geld auf der Bank Zins und Zinseszins.” und der Bezug über die volkswirtschaflichen Zusammenhänge von Zinseszins auf das dadurch inhärente Problem “Staatsverschuldung” wird nicht erkannt. Statt dessen fordert man den Staat auf, doch zu sparen. Sucht Schuldige an den hohen Ausgaben und findet sie je nach politischer Wahlheimat. Man bleibt im Kästchen Politik.

Die angebliche Neigung zu Technik entstammt dem Wunsch, abgeschlossene Systeme zu haben, zum Beispiel ein Radio, und dann dessen Funktionsweise zu ergründen.

Nur, was hat das mit der Fähigkeit ein Flugzeug zu Pilotieren zu tun?

Asperger gleich Ultramännlich?

Das Problem der Abgrenzung und Vereinfachung demonstriert nun Baron-Cohen selbst, wenn er bei Asperger vom ultramännlichen Gehirn im Sinne des SQ (Systemizing Quotient) spricht. Seine eigenen Daten geben das nämlich gar nicht her. Hier ein interessantes Schaubild:

scores
Dabei ist gut zu erkennen, dass Asperger zwar im Schnitt einen hohen SQ haben, aber doch sehr viele im von Frauen und Männern geteilten Mittelfeld liegen. Insgesamt ist die Streuung recht hoch. Entscheident für Asperger ist offensichtlich der niedrigere EQ (Empathic Quotient), ein hoher SQ eher ein Nebeneffekt der mal stärker, mal schwächer Auftritt.

Nicht nur das, es zeigt auch, dass EQ und SQ sich nicht wirklich zwei Enden einer Skala sind, sondern nur statistisch gehäuft gegenläufig vorkommen. Des weiteren zeigt sich, dass ein enorm grosser Teil von Frauen und Männern sich ein Zentrum Teilen. In diesem Zentrum liegt mindestens die Hälfte. Viel zu wenig um pauschal sagen zu können, man hätte hier einen deutlichen Trenner zwischen den Geschlechtern gefunden.

Ironischerweise wird das Geschlecht der Asperger-Betroffenen nicht weiter angegeben. Was leicht die Tatsache verbirgt, dass es auch viele Frauen mit Asperger gibt. Wenn die nun angeblich so ultramaskulin sind, sind die dann alle Transsexuell? Nicht im geringsten. Im Gegenteil, unter transsexuellen Frauen gibt es sogar ein erhöhtes Vorkommen von Asperger-Betroffenen.

Baron-Cohen hat nicht die Lösung auf die Frage des Gehirngeschlechts gefunden, sondern nur zwei Aspekte davon, deren Schnitt zwar abweicht, aber bei weitem nicht Aussagekräftig genug ist, um Frauen und Männer daran aufzuteilen.

Weiter zu: Baron-Cohens zweiter Fehler

Sonntag, 30. Januar 2011

Das TSG ist gefallen. Jetzt sind alle TG, TS und IS Verbände in der Pflicht.

Das Bundesverfassungsgericht hat festgestellt, dass der Operationszwang zum Erlangen einer Personenstandsänderung nicht mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Das ist gut und das ist ein wesentlicher Schritt zur Verbesserung der Menschenrechte derer, deren körperliche Integrität nicht den Anforderungen an ein phänotypisch binäres Geschlecht entspricht. Damit ist offiziell fast jeder Punkt des Transsexuellengesetzes als Verfassungswidrig erklärt worden.

Denkt man zumindest erst mal.

Denn wenn man die Urteilsbegründung liest, kann man daraus nichts als einen herben Rückschlag für die geschlechtliche Selbstbestimmung herauslesen.

Was mir mit am stärksten aufgestossen ist, ist die juristische Stärkung des Hebammengeschlechts. Des Geschlechts, dass nach kurzer Sichtprüfung einem Kind zugewiesen wird:

"Der Gesetzgeber kann bei der Bestimmung der Geschlechtszugehörigkeit eines Menschen grundsätzlich von dessen äußeren Geschlechtsmerkmalen zum Zeitpunkt der Geburt ausgehen und die personenstandsrechtliche Anerkennung des im Widerspruch dazu stehenden empfundenen Geschlechts eines Menschen von bestimmten Voraussetzungen abhängig machen. Da das Geschlecht maßgeblich für die Zuweisung von Rechten und Pflichten sein kann und von ihm familiäre Zuordnungen abhängig sind, ist es ein berechtigtes Anliegen des Gesetzgebers, dem Personenstand Dauerhaftigkeit und Eindeutigkeit zu verleihen, ein Auseinanderfallen von biologischer und rechtlicher Geschlechtszugehörigkeit möglichst zu vermeiden und einer Änderung des Personenstands nur stattzugeben, wenn dafür tragfähige Gründe vorliegen und ansonsten verfassungsrechtlich verbürgte Rechte unzureichend gewahrt würden. Dabei kann er, um beliebige Personenstandswechsel auszuschließen, einen auf objektivierte Kriterien gestützten Nachweis verlangen, dass die selbstempfundene Geschlechtszugehörigkeit, die dem festgestellten Geschlecht zuwiderläuft, tatsächlich von Dauer und ihre Anerkennung für den Betroffenen von existentieller Bedeutung ist. "

Es wird also alles andere als Selbstbestimmend davon ausgegangen, dass ein Hebammengeschlecht immer richtig ist und dessen Unrichtigkeit erst einmal bewiesen werden muss. Das ist Futter für die Verteidiger frühkindlicher Zuweisungen (auch Verstümmelungen genannt), die sich im Konstrukt des “Psychosexuellen Notfalls” nun einmal mehr auf die juristische Notwendigkeit einer solchen “Verdeutlichung” berufen können.

Auch können Zuweisungen entgegen dem gelebtem Geschlecht, die nicht für eine Personenstandskorrektur nach Personenstandsgesetz ausreichen und davon Betroffene, die über das Transsexuellengesetz behandelt werden natürlich einmal mehr Regeln unterworfen, die so für andere Menschen beim besten Willen nicht gelten und für mich schon einen krankhaften Zug haben.

"Für ein Leben des Betroffenen im anderen Geschlecht ist eine Angleichung seiner äußeren Erscheinung und Anpassung seiner Verhaltensweise an sein empfundenes Geschlecht erforderlich. Dies wird zunächst nur durch entsprechende Kleidung, Aufmachung und Auftretensweise herbeigeführt, um im Alltag zu testen, ob ein dauerhafter Wechsel der Geschlechterrolle psychisch überhaupt bewältigt werden kann."

Einmal mehr kann man sagen, hier handelt es sich ja ausschließlich um ein Gerichtsurteil, dennoch findet hier die International nicht anerkannte Behandlung nach den Vorgaben der deutschen Standards of Care Eingang in ein juristisches Schriftstück. Man muss sich leider nicht weiter darüber wundern, denn als “Fachleute” waren genau jene Psychoanalytiker zur Stelle, die auch das TSG und die deutschen Behandlungsstandards entworfen haben.

Ironischerweise meinte ein wohlmeindender Pressekommentar, genau dieser Unsinn sei damit abgeschafft worden:

Juristische Geschlechtsanpassung

Das Recht hat zu einem seltsamen Bild von Transsexuellen in Deutschland beigetragen. Es hat die Transsexuellen gezwungen, schon vor einer Operation oder Hormonbehandlung ein Jahr lang in den Kleidern des Zielgeschlechts herumzulaufen. Die Menschen wurden genötigt, sich selbst zu verhöhnen.

Schön wäre es, aber es tut schon gut, wenn Außenstehende die Unsinnigkeit dieser Travestie wenigstens sehen können.

ATME hat in seiner Presseerklärung ganz gut aufgeführt, wie Karlsruhe sich zwar am Grundgesetz, aber weniger an den, auch schon von EU Menschenrechtskommisar Thomas Hammarberg angemahnten Menschenrechten für Betroffene orientiert.

Ganz besonders wichtig ist dem Verfassungsgericht denn auch die Ehe als Institution zwischen Mann und Frau – und dass ist leider eine der schlimmsten Nachrichten.

Trotz zunehmender juristischer Gleichstellung der Geschlechter scheint es genau dieser Punkt zu sein, der die Abschaffung des juristischen Geschlechts unmöglich macht. Und wenigstens ein Geschlechtseintrag Other (undefiniert) wie er durch das internationale Passrecht vorbereitet ist? Siehe das erste Zitat.

-

In meinem Beitrag Frust hatte ich schon darüber geschrieben:
Man sollte meinen, das Transgender, transsexuellen Menschen und intersexuellen Menschen ein gemeinsames Ziel am Herzen liegt:
Geschlechtliche und körperliche Selbstbestimmung

In Bezug auf die Gestaltung dessen, was das TSG ersetzen wird sind alle in der Pflicht. Intersexuelle dürfen nicht meinen, das trifft sie nicht, da es ja um Transsexuelle geht. Transsexuelle (im Sinne von pro OPs)  dürfen sich nicht auf das TSG als Privileg berufen, wie ich das verschiedentlich erlebt habe. Und Transgender dürfen nicht so tun, als sei einzig Judith Butlers Auftrag bindend, Gender-Trouble zu stiften.

Die deutsche Kaste der Sexologen, die gleichsam viel Leid über, sagen wir mal außergewöhnlich Geschlechtliche, gebracht haben, dürfen nicht einfach ein weiteres mal die bestimmenden Experten für ein Gesetz sein, und sich dabei auf Ideen berufen, die die Massenvernichtungswaffen des Iraks als PR-Gag alt aussehen lassen.

Ich verlange, und ich weis, eigentlich steht mir das nicht zu, eine Zusammenarbeit von:
Trans Inter Queer, ATME, Zwischengeschlecht e.v., DGTi, XY-Frauen, IVIM (OII Deutschland) und und und…
Denn ob es gemocht wird oder nicht, ob es gewollt wird oder nicht, es Betrifft alle.

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Wer ist "Gerti Lucke"?

Gleich eins Vorweg. Ich habe keine Ahnung.

Wallraff und Hape Kerkeling sieht sie nicht ähnlich genug. Ein Newcomer unter den Impersonatoren?

Vielleicht ein Anthropologe, der den Umgang mit Transsexualität erforschen will, und deshalb den transsexuellen Bürgermeisterkandidat (nein, nicht Bürgermeisterin) mimt? Stets die angebliche Transsexualität betonend? Wer immer diese Person ist. Es gibt wohl derzeit keinen Wahlkampf in Weissenfels und Gerti Lucke hat im Grunde selbst klar gestellt, dass sie nicht Transsexuell ist. Und ihre Blogs zum Thema sind zwar Prallgefüllt, aber eine einzige, grausame Parodie.

Wahrscheinlich kommt dann in einem Jahr oder so das Buch oder der Film: "Mein Leben als Transie"

Das ist sowas von dreckig...

Dienstag, 26. Oktober 2010

Intersex Awareness Days

Heute ist der Intersex Avarness Day.

Awareness zum ersten


Zur Feier des Tages erstmal ein Link auf das wichtigste Blog in diesem Kontext:

http://blog.zwischengeschlecht.info/

Zur Zeit habe ich recht viele persönliche Diskussionen, wie man mit dem Thema Genitalverstümmelung umgehen sollte.

Seelenlos von oben genanntem Blog meint, es sei ausreichend, das Kind beim Namen zu nennen und viele andere Denken mit ihm und Nella, vor allem direktes Vorgehen gegen die Täter (meist Kinderurulogen) sei der beste Weg.

Bei zwischengeschlecht.info möchte man das Thema "Gender" möglichst fernhalten, entvervt sich, dass es sogar in Intersexforen immer einen grossen Platz einnimmt.

Naja, mich nervt dabei, das Geschlecht und Gender hier schon mal grundsätzlich verwechselt wird. Bei OII rief man auch schon zur Klärung auf, doch bitte die Begriffe sex identity und gender identity zu benutzen.

Allerdings, und jetzt komme ich zu meiner persönlichen Meinung, denke ich das Problem lässt sich mit dieser Vorgehensweise nicht lösen. Wenn Seelenlos sagt, die "Gender-Kacke (tm)" spielt keine Rolle, dann ist das Falsch. Sie sollte keine Rolle spielen, aber das ist ein anderes Thema. Tatsächlich ist aber die "Gender-Kacke (tm)" immer und immer wieder die Begründung für die Verstümmelungen, egal wie sie Formuliert wird. (Gender ist Erziehung: Abschneiden, Gender ist Biologisch; Hey, wir erhöhen unsere "Trefferquote").

Diese Begründung kann man den Behandlern unter den Füssen wegziehen, wenn man sich die Tatsächlichen Zahlen anguckt, wenn man, wie die Behandler selbst, nur diesen Aspekt nimmt. Und dazu gibt es zahllose Studien.

Was in diesem ganzen Kontext übersehen wird, sind nicht die ausführenden Organe (also Chirurgen / Kinderurulogen) sondern die Menschen, die sich anmassen, die Entscheidung für das Kind zu treffen. Das sind in letzter Konsequenz die Eltern. Und die sind, wie fast alle Menschen, tief in dem Glauben gefangen, "Das Kind brauche doch ein Geschlecht".

Also muss man der breiten Öffentlichkeit klar machen, das man Geschlecht nicht Fremdbestimmen kann. Eben genau die verpöhnte "Genderkacke(tm)".

Ein Gesetz gegen diese Verstümmelung (tatsächlich wurde ein echter Vorstoss seitens der Community schon mal abgelehnt, weil Transgender darüber stand, so viel zum angeblichen Primärziel) scheitert immer wieder daran, dass die breite Öffentlichkeit nicht für das Thema sensibilisiert ist. Ich verlinke in in vielen Kommentaren immer weider auf Zwischengeschlecht, obwohl das aus meiner Situation heraus fast so etwas wie selbstverletzendes Verhalten ist.

Awareness zum Zweiten


Ich hatte schon, zumindest in den Kommentaren, davon gesprochen, dass ich auffällige Genitalien hatte und ein paar mal mehr, dass ich äusserlich vor der Pubertät nicht von einem Mädchen zu unterscheiden war (also Abseits der Genitalien). Hier nicht darüber gesprochen hatte ich darüber, dass ich sogar so etwas wie eine weibliche Pubertät (ohne Blutungen allerdings) hatte. Mittlerweile weis ich zu 95% woran das lag (und warum meine Genitalien nicht entlang der Prader Skala einzuordnen waren). Das ganze geht auf eine Störung in der Hormonkonvertierung zurück und nennt sich:
17β-Hydroxysteroid Dehydrogenase Defizienz. Sie geht mit unterschiedlich starken Untervirilisierungsgraden der Genitalien einher - aber zum Zeitpunkt des normalen Pubertätseintritts stabilisiert sich der Testosteronhaushalt und die Gonaden werden deutlicher ausgeprägt.

Wäre das von Ärzten erkannt worden, wäre die Empfehlung der Ärzte gewesen, vorpubertär Testosteron zu geben, bei deutlicheren Fällen wird die Genitalverstümmelung empfohlen.

Ja, ich bin froh das es unterkannt blieb...

Aber auch hier kommt die "Gender-Kacke (tm)" zum Tragen:
Ich zitiere mal kurz
Tabu Intersexualität auf Arte
"die...Genitalbschneider-Fraktion übrigens offenherzigerweise keinerlei Zweifel offen – im Gegenteil. Prof. Dr. Mouriquand räumte weiter offen ein, die sexuelle Empfindsamkeit nach der Verstümmelung könne er "nicht garantieren", aber das sei auch nicht so wichtig, da unverstümmelt aufzuwachsen für die Kinder seiner Meinung nach "extrem grausam und nicht zu bewältigen" sei"
Meine Genitalien hat kein Mensch vor der Pubertät gessehen ausser ein paar Ärzten und meinen Eltern (vielleicht noch mein Onkel). Ich wusste nicht wirklich, dass mein Genital ungewöhnlich aussieht, ich hab mich nur gewundert, dass immer von dem (Einzahl) Hodensack gesprochen wird, wo es doch zwei sind. Dass es wirklich ungewöhnlich und nicht nur eine von vielen Möglichen Variationen ist, hab ich noch viel später rausgefunden, die 95% Sicherheit habe ich sogar erst seit etwa einem Monat.

Aber:
Meine Transsexualität hat mir das Leben zur Hölle gemacht und hat zu extremen Mobbing geführt. Dafür musste sie noch nicht mal als solche bekannt sein. Man merkte mir das Mädchen einfach an (mit Anfang 16 wurde ich von ein paar "Freunden" geoutet und das Mobbing wurde noch schlimmer). Ergo kleine Nachricht an die Behandler: So lässt sich die Verstümmelung nicht begründen. Wie sehr ist da das im dortigen Film aufgezeigte Kind "Inge" zu beneiden, dem man nicht nur die Sexualität und körperliche Selbstbestimmung gelassen hat, sondern dem auch von Aussen keine "Gender-Kacke(tm)" aufgedrängt wird.

Awareness zum Dritten


Das extrem viele, als Transsexuell bekannte Personen ungewöhnliche Genitalien und/oder andere Auffälligkeiten wie zum Beispiel ind den Skelettmetriken haben, ist kein Zufall. Es lässt sich oft genug auf bekannte IS Kondition, meist eine CAH Variante zurückführen. Allerdings ist das ein noch grösseres Tabu - eines, das Intersexaktivisten auch nicht wirklich brechen wollen. Die Distanz zu Transsexualität soll gewahrt bleiben.
Dabei wäre genaues hinschauen vor allem in Bezug auf die Hormonersatztherapie wichtig. Lebenswichtig.

Donnerstag, 21. Oktober 2010

Hormonersatztherapie

Bekanntermassen ist die Hormonersatztherapie nicht nur ein Thema im Kontext von TG, TS oder IS.
Und so liest man bei dieStandard gerade folgendes:

Hormonersatztherapie gefährdet Frauenleben
"Washington - Eine Hormonersatztherapie nach der Menopause mit kombiniertem Östrogen und Gestagen führt nicht nur zu mehr Herz-Kreislauf-Zwischenfällen (Infarkt, Schlaganfall) und Brustkrebserkrankungen, sondern auch zu mehr Todesopfern durch Mammakarzinome."

Was aus dem Artikel erstmal nicht hervor geht, ist, wie sich die Hormonersatztherapie denn nun gestaltet, aber es wird auf die entsprechende Studie verwiesen:
Estrogen Plus Progestin and Breast Cancer Incidence and Mortality in Postmenopausal Women

Womit auch klar wird, dass diese Frauen keine Hormonersatztherapie hatten. Ersatz bedeutet ja gewissermassen: Auffüllen was fehlt. Statt dessen bekamen sie aber ein Medikament, Progestin, dass die Wirkung des noch vorhandenen Hormons Progesteron geradewegs auch noch ausschaltet.
Progesteron wird in seiner Funktion selbst von ausgebildteten Endokrinologen falsch eingeschätzt, man spricht von einem "Schwangerschaftshormon". Tatsächlich ist es nicht nur selbst Wichtig und muss in einem angemesenem Verhältnis zu Estradiol stehen (Stichwort Estradioldominanz). Es ist auch noch die Basis für die Biosynthese vieler weiterer Hormone:
z.B.:
17a-hydroxyprogestrone
Dexycorticosterone
11- deoxycortisol
...Androstenedione
Estrone
17 Beta Estradiol (Natürliches)
Corticosterone
Cortisol
Aldosterone
(Auch die folgenden werden bei Frauen benötigt)
Testosterone
DHT

Progestin ist chemisch nicht identitsch mit Progesteron, kann aber an die Rezeptoren andocken. Erstens verdrängt es das wirksamere echte Progesteron, zweitens kann es nich weiter synthetisiert werden.

Das Problem gibt es mit vielen weiteren Produkten, die im Zusammenhang mit Hormonersatztherapien, die diesen Namen nicht verdienen, angewendet werden. Ich habe mich deshalb entschlossen, hier mal einen Text einzustellen, den ich vor kurzem in einem Forum gepostet habe:

Nachdem ich das abgesetzt habe, vieleicht mal ein wenig Erklärung. Die Standartanwort, "Spiel nicht damit rum" oder "geh lieber zum Arzt" ist vielfach einfach nicht sinnvoll.

Also, der Grund warum die Kräuterprodukte (Evanesce und Feminol sind eigentlich nicht wirklich ausschliesslich Pflanzlich) wirken und doch problematisch sind liegt in der Biosynthetisierung. Aus dem selben Grund sind Ethylestradiol und CPA (Beides in der unbedingt zu vermeidenden Diane 35) ziemlich schädlich.

Phytoöstrogene und Ethylestradiol sind chemisch 17 Beta Estradiol ähnlich und können an die Rezeptoren andocken. Ein feminisierender Effekt, Gynemastomie, tritt ein.

Aber das chemisch anders zusammengesetzt, wird die normale Biosynthese unterbrochen. Das bedeutet, wichtige Hormone werden nicht mehr hergestellt, und für trans* Frauen noch schlimmer: Das Gehirn hört nicht auf, Testosteron anzufordern, weil es nicht erkennt, das eigentlich genügend Geschlechtshormone vorhanden wären.

Daher kommt die Idee, man bräuchte auch ein Antiandrogen, wie zum Beispiel CPA (Androcur, Diane 35). CPA wiederum ist ähnlich wie die falschen Hormone und unterbricht die Biosynthesekette und verhindert das "registrieren" von Progesteron, da es "Gestagene" Wirkung hat.

CPA braucht kein Mensch, ein Ersetzen der Hormone 17B Estradiol und Progesteron sorgt dafür, dass der Körper die Testosteronproduktion drosselt, ohne das Mass zu unterschreiten, das Notwending ist. Wird das 17B Estradiol ausserdem noch Transdermal verabreicht, kommt es nicht zu einer steigerung des Tromboserisikos, dass immer wieder so laut beschrieen wird.

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Frust

Ich hab lange überlegt, einen Artikel, vielleicht eine ganze Serie zu schreiben. Aber je mehr ich nachdenke, desto grösser wird der Frust, der mittlerweile längst in Wut umgeschlagen ist.

Man sollte meinen, das Transgender, transsexuellen Menschen und intersexuellen Menschen ein gemeinsames Ziel am Herzen liegt:

Geschlechtliche und körperliche Selbstbestimmung

Was tatsächlich passiert, ist das Zäune gezogen werden und Grabenkriege geführt werden, denen zwangsläufig Menschen zum Opfer fallen.

Ob Trangender, Transsexuell oder Intersexuell, das sind längst keine medizinischen oder gar psychologische Kategorien, sondern politische Identitäten. Und so handelt jede für sich entgegen dieses Zieles und kümmert sich mehr um die geschlechtliche und körperliche Fremdbestimmung.

Und so schreibe ich denn erstmal gar nichts mit "Fleisch am Knochen" dazu.

Samstag, 18. September 2010

Ein Abschied

Nein, auch wenn ich in letzter Zeit nicht viel geschrieben habe, und das wahrscheinlich auch so schnell nicht wieder sehr häufig tun werde, Gemeint ist eine andere. Ich hatte die traurige Aufgabe, Transray aus den Links herauszunehmen.

Transray war eine Datenbank, die Artikel zu Trans- und Intersexthemen sammelte, katalogisierte und Querverbindungen aufbaute. Eine sicher unglaublich mühselige Aufgabe. Aber das war nicht der Grund zum Einstampfen des Projekts und noch ist die Abschiedsnachricht auf der Seite zu sehen. Ich möchte sie hier im ganzen wiedergeben (bis auf die Kontaktmöglichkeiten, da diese nach Löschung oder Verkauf der Domain so wie so nicht mehr gültig sind):

Aus, vorbei

Warum?

Ich bin der Ansicht, dass die Gesellschaft und insbesondere die Politik nicht bereit sind, Transsexualität so anzunehmen, dass ein würdevoller Umgang mit transsexuellen Menschen in naher Zukunft möglich ist. Alle Bemühungen, zum Beispiel die Vornamenswahl/Geschlechtswahl zu vereinfachen, sind gescheitert.

Ebenfalls sind auch die Vorurteile nicht aus der Welt zu schaffen, die genau dies verhindern.

Bislang orientiert sich die Behandlung/der Umgang an Vorgaben, die nicht von Betroffenen verabschiedet wurden. Sie folgten einem paternalistischem Dogma, durch das transsexuelle Menschen zum Subjekt des Handelns werden.

Ich habe viele Menschen kennengelernt, die schon seit Jahren von der medizinischen Fraktion hingehalten werden, denen es seitens der Krankenkassen untersagt wird, sich operieren zu lassen, deren Erscheinung zu täglichen Kämpfen führt, nur weil „Standards“ und Medizinische Dienste (frühzeitige) Epilationen verhindern.

Viele dieser Menschen stehen dadurch im beruflichen Abseits. Diese Belastung schlägt sich auch in Aufenthalten in der Psychiatrie und Erwerbsunfähigkeiten nieder. Das Einzige was uns fehlt, ist die einfache Anerkennung. Wir benötigen keine Psychotherapie, noch Psychoanalyse über Jahre hinweg, sondern einfaches Vertrauen darauf, dass wir es selbst sind, die genau wissen, was uns nützt.

Ich dachte dem Themenkreis Transsexualität näher zu kommen, indem ich alle mir bekannten Quellen zusammenfüge. Das Ergebnis ist ernüchternd. Neben Moden gibt es keinen wissenschaftlichen Ansatz, der überhaupt irgendetwas erklärt.

Die „Wissenschaftler“ stochern also im Nebel und auch wenn einige sich nach Jahren dahingehend äußern, dass transsexuelle Menschen einfach ganz normale Menschen seien, dann ist das schon erschreckend, weil immer noch so getan wird, als wenn die Behandlung von Transsexualität nur gewissen Vorgaben zu folgen hat und dann alles gut wird.

Wird es nicht.

Und zwar deshalb weil transsexuelle Menschen in ihrer Verzweiflung alles unternehmen, was von professionellen „Helfern“ gefordert wird, die Bungee-Jumping-Theorie – wenn ein Kriterium der Diagnose wäre, sich mit einem Gummiband an den Beinen von einer Brücke zu stürzen, dann würden es alle tun, auch wenn es nichts damit zu tun hat – verdeutlicht es. Dies ist symptomatisch für die „Diagnose“, resp. „Behandlung“.

Zuletzt noch ein Wort zu Gutachten: Nirgendwo wird mehr Unsinn geschrieben und Ableitungen aus noch so weit hergeholten Angaben gemacht. Es wird Zeit, den Quatsch mit den Gutachten zu lassen, nicht zuletzt auch deshalb, weil sie zur Verelendung von transsexuellen Menschen beitragen.

Dienstag, 27. Juli 2010

Die Grenzen der Empathie?

Vor ein paar Wochen entdeckte ich das interessante Blog von Hannelore Vonier, Rette sich, wer kann!

Dort vergleicht sie in einem Beitrag Eigenschaften von Matriarchat, Patriarchat und Web 2.0

Dort verweist sie unter dem Thema Homosexualität auf einem Artikel über die Muxes und Marimacha Mexicos auf einen Buchauszug von "Juchaitán – Stadt der Frauen. Vom Leben im Matriarchat (Veronika Bennholdt-Thomsen) auf ihrer Webseite matriarchat.info .
Muxes sind in Mexico in etwa vergleichbar mit den Kathoe in Thailand oder die Hirja in Indien. Eine Art drittes Geschlecht, in dem Transgender, transsexuelle und intersexuelle Menschen eine halbwegs gesellschaftlich gesicherte Heimat finden können (vgl. Artikelsammlung )

Die Autorin Veronika Bennholdt-Thomsen überschlägt sich dort, in Juchitán fast vor Freude darüber wie gut homosexuelle Männer dort akzeptiert sind. Moment? Homosexuelle Männer? Gerade sprach ich doch noch von Transgendern, transsexuellen und intersexuellen Menschen?

Für Frau Bennholdt-Thomsen sind diese nicht existent. Den ganzen Artikel hindurch spricht sie über die Personen im falschen Geschlecht und beschreibt ihr sein als performanten Akt:
Lachend und mit unverhohlenen Gesten werden die Fremden auf die Muxe's aufmerksam gemacht, was in der Regel völlig überflüssig ist, denn deren Aufmachung und aufreizendes Verhalten sind nicht zu übersehen. Und wie auf viele andere Eigenheiten auch, ist man in Juchitán stolz auf diesen Unterschied. Das ungenierte Hindeuten auf die Muxe's ist Bestandteil des Verhaltenskodex der Akzeptanz. Kreischend freuen sich die Frauen über die anzüglichen Späße und Gesten der " afeminados "‚ der sich weiblich gebenden Männer.”

Und genauso landete die Akzeptanz uneindeutiger Geschlechtsidentität und Körperlichkeiten in Hannelore Voniers Übersicht in der Schublade Homosexuell.

Deshalb schrieb ich einen Kommentar, in dem ich versuchte, Hannelore Vonier zu erklären, das Homosexualität und Geschlechtsidentität, um die es vorangig bei den Muxe und Marimacha geht, nichts miteinander zu tun haben und letztere verschiedenste sexuelle Orientierungen haben. Darüberhinaus die Einordnung in ein 3. Geschlecht für transsexuelle und intersexuelle Menschen nicht unbedingt ihrem Menschenrecht auf Selbstbestimmung entspricht (für Transgender und einige intersexuelle Menschen jedoch schon).

Jedoch zeigte sich, das Hannelore Vonier eine sehr strenge Kommentarphilosophie hat und Kommentare freigeschaltet werden müssen, was sie nicht tat.

So richtig zu ihrem Fürsprechen den Prinzipien des Matriarchats, die sie aufführte und teils auch Web 2.0 zuordnete, wie eine hohe Bewertung von Neuem und Unbekanntem, Selbstregulierung, Selbstbestimmung, Individualismus und Ablehnung von Lob/Tadel und Hierarchie wiederspricht. Aber gut, sie führt es auf, sie heisst es gut, aber sie muss es ja nicht leben.

Letztlich fragte ich sie nach dem Grund, warum sie diesen Kommentar nicht freigeschalten hat.

Ihre Antwort lies lange auf sich warten, und sie viel Knapp aus.

“Du hast da ein Statement abgegeben, mit dem ich nichts anfangen kann. Sieht so aus, als wärst du mir nicht ähnlich: http://rette-sich-wer-kann.com/bist-du-mein-publikum/

Ähnlich… hm. Tatsächlich nicht unbedingt. Meine Kommentare musste ich bislang nicht moderieren, um die dargebotenen Informationen vor allen Zweifeln zu schützen. Dennoch war ich sehr enttäuscht, unter anderem deshalb, weil Hannelore Vonier in ihrem Blog gerade das Thema Empathie beleuchtet unter anderem präsentiert sie folgendes Video:


Und dort wird darauf eingegangen, wie Empathie funktioniert:
Durch das Nachvollziehen der Gefühle eines anderen durch die eigenen Erfahrungen. Gleichzeitig ist die Empathie einer der wichtigsten Instinkte, mit dem sich ein Gemeinschaftsgefühl bildet.

Und so versagt die Empathie in Bezug auf eine andere Geschlechtlichkeit, denn eine Cis (Nichtbetroffene) Person ist sich der Geschlechtsidentität nicht bewusst und sucht so nach allen möglichen Erklärungsmustern, die sich mit vergangenen Erfahrungen verbinden lassen.
Zwar mögen Hannelore Vonier und Veronika Bennholdt-Thomsen nicht unbedingt selbst Homosexuell sein, ihnen sind aber sicher schon Drag Queens oder Butch-Lesben begegnet – und so rechnen sie diese Erfahrung “hoch”. Auch in LGB Kreisen herrscht oft die Meinung, Transsexualität sei nichts anderes als selbsverleugnende Homosexualität, so dass Betroffene ihr Geschlecht der sexuellen Orientierung anpassen. Unter Transvestiten glaubt man gerne, Transsexuelle wären Transvestiten, die ihr spezielles Vergnügen Real machen, teils leitet sich daraus sogar fehlgeleitete Bewunderung ab.
Aber auch ich bin dieses Verbrechens Schuldig. So bin ich davon ausgegangen, dass sich Transsexualiät für alle Betroffenen ziemlich gleich darstellt, bis ich lernte, anderen zuzuhören und so endlich entwirren konnte, warum ich in Foren teils ziemlich Schräge Antworten und Meinungen bekam, die ich zuerst gar nicht Nachvollziehen konnte. Dazu werde ich demnächst einen eigenen Artikel schreiben.

Gottseidank kann man Empathie lernen, aber dazu müssen sich Menschen, die sich z.B. mit Transsexuellen befassen, sich von dem Gedanken frei machen, es seien Männer, die eine Geschlechtsumwandlung suchen, oder eine effimierte Rolle spielen, wen von Frauen des Transspektrums oder intersexuellen Frauen mit maskulinem Phänotyp die Rede ist – und sich die simple Wahrheit klar machen – Diese Menschen wollen sie selbst sein, diese Menschen brauchen einen stimmigen Körper.

Sonst kann die Empathie sogar zur Falle werden. Wie eine Freundin mal über ihren Vater schrieb:
”Er findet dich ja nett und alles, aber jedesmal wenn wir auf das Thema kommen, gruselts ihn und er sagt, er würde jeden Umbringen, der ihm den Penis abschneiden will.”

Und wenn ich sowas höre denke ich jedes mal; “du bist doch schon halb da?” Offensichtlich kann er sich ja sehr gut in die Rolle eines transsexuellen Mannes oder eines intersexuellem Opfer frühkindlicher Verstümmelung hineinversetzen.

Aber es geht nicht. Wenn der erste Schritt nicht stimmt, kann der zweite nicht folgen.

Und noch etwas. Das Veronika Bennholdt-Thomsen keine empathische Verbindung zu den Muxe aufbauen kann, zeigt sich auch darin, dass es für sie kein “wir” gibt: Sie berichtet über die Frauen, als seien es Touristenattraktionen.

Und Hannelore Vonier bringt es auf den Punkt: “Wir sind uns nicht ähnlich”.

Sonntag, 25. Juli 2010

Wer braucht schon User?

Das ich von der Politik der “Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V.” nicht gerade begeistert bin, ist kein Geheimnis. (Siehe z.B. Transgender Gesetz?, oder Artikelsammlung)

Doch Anfang des vergangenen Jahres baute der Verein ein Forum auf, zu dem viele User vom privat Betriebenen ForumSouled” überwechselten, da dort die Besitzerin sehr streng reglementierte und so wirkliche Diskussionen verhinderte. Souled existiert noch, aber es hat nur noch wenig Traffic. Zum Forum der DGTi stiess ich dann letztlich etwa Mitte letzten Jahres und fand dort sehr interessante Diskussionen und Umfragen vor.

Kindergarten


Ich fing an mich zu Beteiligen und wurde zur richtigen Vielschreiberin dort. Leider kam es schon zu Beginn zu einem ziemlichen Streit zwischen Kim, einem der Gründungsmitglieder von ATME und Jaczy, entbrannt über Grundrechte von Betroffenen. Beide Streithähne wurden gesperrt, beide beantragten darauf hin Löschung ihres Useraccounts. Das ganze blieb allerdings nicht Folgenlos. Christina, die Mitgründerin von ATME e.v. hatte auf ihrer Seite einen ziemlich diskreditierenden Text der sogar einen Nazivergleich enthielt und letztlich auch Unwahrheiten enthielt. Weder sie noch Kim sind ja aus dem Forum verbannt worden, trotzdem war von einem Schreibverbot für sie beide die Rede. Zu einem Zeitpunkt, als Christina selbst im DGTi Forum schrieb – allerdings ohne ihre Hetze zu erwähnen. Irgendwann bekamen auch die Administratoren des DGTi Forums das mit und reagierten, wenig überraschend, ziemlich pikiert. Der entsprechende Thread ist nicht mehr Einsehbar, aber ich erklärte dort klar meine Haltung, dass ich das Verhalten von Christina hier nicht billige und Forderte Kim und Christina auf, öffentlich klar zu stellen, dass es hier um etwas privates, und nicht um den Verein geht. Die beiden sahen das allerdings anders, verlangten von Usern, die sich im DGTi Forum beteiligten, eine öffentliche Distanzierung von diesem, und da ich nicht bereit war, diese Kindergartenpolitik mitzumachen, wurde ich wurde von ATME ausgeschlossen. Was aber nicht bedeutet, dass ich nicht nach wie vor hinter den Zielen von ATME stehe.

Leitlinie

Gleichzeitig fand im DGTi Forum aber ein schleichender Prozess statt. Immer mehr Forenregeln wurden eingeführt, manche Themen systematisch unterdrückt.

Mir fiel es erst gar nicht auf, und ich hielt es für eine Folge der Trollversuche der besagten Christina, dass der Betreffende Thread geschlossen wurde, aber eine Diskussion über das Hormon Progesteron wurde geschlossen und später jede Erwähnung von Progesteron dorthin verschoben. Das Thema war dabei auf einem Missverständlichen Stand, da Progestin (Medikament das Progesteron unterdrückt) und Progesteron (Bioidentisches Hormon) durcheinander gebracht wurden, was sich anschliessend nicht mehr aufklären lies.

Zuerst wurden in den Forenregeln Hormondosierungsempfehlungen gänzlich verboten (auch via Privatnachricht)

3.11) Dosierungsempfehlungen zu Hormonpräperaten an andere User sind ausdrücklich untersagt und werden durch die Moderation unkenntlich gemacht.
Dieses Verbot gilt ebenso für derartige Empfehlungen über "Persönliche Nachrichten" (PN). Da uns eine Überprüfung von PN nicht möglich ist, distanziert sich die dgti als Betreiber des Forums vorsorglich von dort gemachten Dosierungsempfehlungen an andere User.
Bei Zuwiderhandlung gegen dieses Verbot wird eine Verwarnung, bei erster Wiederholung eine Sperre von 7 Tagen und bei weiterer Wiederholung eine dauerhafte Sperre ausgesprochen.


Dann stellte Tanja, eine der Administratoren, eine Meldung zur Gefährlichkeit von Hormonersatztherapien bei postmenstruellen Frauen, unterband aber die Diskussion zu dessen Ursachen (noch einmal der Hinweis auf die SF Nachrichtensendung zum Thema, etwa ab 7:40)
Bei der Erwähnung des notwendigen Zusammenspiels der verschiedenen Hormone sprach sie von einer Ideologie und fügte folgende neue Forenregel ein:

C)
Mitglieder, welche gehäuft ihre ideologischen Ansätze in beliebige Themen einbringen (streuen), ohne dabei auf die Fragen und Anliegen der Themenstarter zu achten bzw. darauf ansatzweise einzugehen, können verwarnt oder sanktioniert werden.

Und erklärte Diskussionen um Progesteron zu einer Ideologie.

Dies ist nun ein sehr geschickter Gummiparagraph, da ausschliesslich die Administratoren und Moderatoren bestimmem, was denn nun einer Ideologie zuzuzählen ist. Das gerade beim Progesteronthema wissenschaftliche Forschung zum Thema bekannt ist, dabei uninteressant. Das Buch “Die Wahrheit über Hormone” (von Dr. med. Alexander Römmler) klärt z.B. im Kapitel “Der richtige Hormonersatz” über “Die Alternative: Kein höheres Risiko durch transdermalen Östrogenersatz plus Progesteron” auf und nennt alleine drei Studien:
”Französische Kohorte” (de Lignières B et al.. 2002)
”E3N-EPIC-Kohorte Frankreich” (Fournier A et al. 2005)
und “Erweterung E3N-EPIC-Kohorte”

Wer braucht schon User?

Letztlich kam es nun vor einigen Tagen zu einer Entladung der angestauten Frustration, die alleine zum Rücktritt von zwei Moderatoren führte. Daraufhin wurde ein Thread eröffnet, der um die Beruhigung der erhitzten Gemüter bat. Und im laufe des dortigen Verlaufs äusserten viele Benutzer noch einmal ihre Frustration, insbesondere, nachdem die Administration anfing, nicht nachvollziehbare Sperren zu verteilen.
Ergebnis war, dass die DGTi nun fast alle Vielschreiber gesperrt hat – oder sogar ohne jede Begründung anzugeben, weder privat noch im Forum, endgültig verbannt hat. Ich gehöre dazu.
Diejenigen, die nicht ganz gesperrt wurden, versuchen nach der Sperre, etwas Diplomatischer zu bleiben… Dennoch zeigt sich, dass wohl nur “Neulinge” überhaupt beim Forum bleiben, die sich noch keine Informationen aus anderen Quellen besorgen konnten und deshalb auch Froh sind, über das, was sie dort an Häppchen bekommen.

Ein Schuldiger muss her?

Ich bin ein sehr aktives Mitglied des Skype-Chats Kuhstall. Daraus machte ich auch nie einen Hehl, als ich das DGTi-Forum im Streit mit ATME e.v. verteidigte, nahm ich die “Mystifizierung” dieses Chats als Beispiel für die Unsinnigkeit der Vorurteile untereinander.
Offensichtlich brauchte man nun einen Schuldigen am Kollabieren des DGTi-Forums und so wurde ein Beitrag aus einem ganz anderen Forum genommen und in die Nachrichtensektion des Forums mit einer Distanzierung der “offensichtlichen” Ideologie des Kuhstalls, die einige User in das Forum hätten tragen wollen.
Es ist spannend, was das Forenteam damit tatsächlich klar stellt:

Meinungen, die die dgti NICHT vertritt

Hallo,


unter: http://www.transgender-world.net/forum/ ... 5&pid=8194
fand ich warnende Worte vor irreführenden Meinungen und Theorien.


Dort wird unter anderem die Theorie verbreitet, dass wir aufgrund der Definition F 64.0 alle
nur für gestörte Männer gehalten werden - weshalb jene den Begriff "Transfrauen" vehement ablehnen - und - zumindest jene unter uns, die "weibliche Gehirne" haben - eigentlich unter dem "Brain Sex Body Dispecrepancy Syndrome" (eine noch in der ICD zu etablierende Q.57) leiden, das aber bislang nirgendwo wissenschaftlich seinen Niederschlag gefunden hat.
...


Richtig gefährlich wird es dann, wenn es um die OP geht. Angeblich verstümmeln alle Ärzte in Europa uns nur mit der Penile Inversion.
Diese Gruppe vertritt auch eine eigene Theorie zur Hormontherapie, die den normalen ärztlichen Verordnungen widerspricht. Gesundheitsgefahren sind hierdurch nicht ausgeschlossen!
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Die dgti distanziert sich von diesen irreführenden Meinungen und Theorien!
Patricia

Ich kenne die Autorin dieser Worte, Kirsten, was auch kein Wunder ist, schliesslich hat sie das nach einer Teilnahme an besagtem Chat geschrieben. Tatsächlich sind einige Aussagen von mir dort ziemlich verdreht wieder gegeben.

Dazu will ich sie mal aufdröseln:

Dort wird unter anderem die Theorie verbreitet, dass wir aufgrund der Definition F 64.0 alle
nur für gestörte Männer gehalten werden

Nein, Kirsten, nicht alle, transsexuelle Männer werden für gestörte Frauen gehalten. Ist das nun eine Theorie? Nein, das steht nunmal in F64.0. Die ganze Fachliteratur ist voll der Frage; “Warum wollen ansonsten unauffällige Männer Frauen werden.
Die Diagnose Geschlechtsidentitätsstörung bleibt ein Leben lang bestehen, eben nicht, weil für die Behandler damit etwas korrigiert ist, was vorher Falsch war, sondern weil dem “transsexuellen Wunsch” nachgegeben wurde.
ATME e.v. kämpft intensiv gegen das F64.0 Paradoxon. Auch der gestern (Psychopathologisierung – von den Schwulen zu Transsexuellen zu Intersexuellen?) veröffentlichte Text von Milton Diamond geht darauf ein:

Statt dessen wurde Transsexualismus als psychisches Problem gesehen (Geschlechtsidentitätsstörung oder Geschlechtsidentitätsdysphorie) und so in die DSM aufgenommen. Es musste ihnen eine Behandlung gewährt, aber nicht geglaubt werden..

Weiter schreibt Kirsten:
zumindest jene unter uns, die "weibliche Gehirne" haben - eigentlich unter dem "Brain Sex Body Dispecrepancy Syndrome" (eine noch in der ICD zu etablierende Q.57) leiden, das aber bislang nirgendwo wissenschaftlich seinen Niederschlag gefunden hat.

Das “Brain Sex Body Discrepancy Syndrom” ist eine Wortschöpfung für das, was ich hier im Blog immer als Bodymap bezeichne. Das heist, die neurale Verdrahtung, die dem Gehirn sagt, wie der Körper sein sollte, und die bei einigen Transsexuellen dem ihres Kerngeschlechts – ihrer Geschlechtsidentität entspricht. Ich bin lange genug in Foren und anderen Informationsquellen unterwegs gewesen, um zu wissen, dass es nicht jeder betroffenen Person so geht.

Es ist aber nur ein Teil von “Brainsex”, der offensichtlich so flexibel ist, wie für sich genommen die Geschlechtsidentität oder die sexuelle Orientierung, alle gleichermassen vom Maskulinisierungsgrad bestimmter Hirnareale abhängig.

Wenn Kirsten nun meint, aber bislang nirgendwo wissenschaftlich seinen Niederschlag gefunden hat., dann irrt sie allerdings gewaltig. Ich hatte in meinem Beitrag Körperliche Ursachen der Transsexualität bereits unzählige wissenschaftliche Beiträge zum Thema veröffentlich, nur ist es da zu unübersichtlich geworden, denn ich komme mit dem katalogisieren gar nicht nach und bin dabei, eine Datenbank zum Thema aufzubauen. Das allerdings manche Betroffene sich mit Händen und Füssen gegen diese festgestellten Tatsachen wehren, ist kein Alleinstellungsmerkmal Kirstens. Die systematische Leugnung zeigt sich zum Beispiel auch hier: Zur Problematik medizinischer Studien. Ein Artikel der den aktuellen Forschungsstand einfach unter den Tisch kehrt und die Ergebnisse früherer Pionierstudien verniedlicht bzw. eine widerlegte These hervorkramt um deren Widerlegung als Beispielhaft zu bezeichnen.

Richtig gefährlich wird es dann, wenn es um die OP geht. Angeblich verstümmeln alle Ärzte in Europa uns nur mit der Penile Inversion

Nun, solange alle Ärzte in Europa nach der Penilen Inversionsmethode arbeiten bringt die Genitalangleichende Operation das falsche Gewebe, und damit auch die falschen Nervenenden an die falsche Stelle. Das Ergebnis ist sensitiv, es ist kosmetisch meist annehmbar und viele Frauen bereichten auch über ein positives Sexualleben. Genauso, wie die Frauen, die ihre Operation hatten, bevor ein Klitorisaufbau zum Standard gehörte.
Für Frauen mit einer stark ausgeprägten femininen Bodymap fühlt sich im Anschluss immer noch alles falsch an. Das Gehirn kann das ein Stück weit kompensieren aber es hat auch schon postoperative Frauen wegen der endgültigen Unabänderlichkeit in den Suizid getrieben. Einige noch lebende sprechen ganz klar von einer Verstümmelung.

Die Chonburi Flap (CF) Methode wurde entwickelt, um Vagina und Vulva wirklich zu rekonstruieren, nicht zu simulieren. Dieses Bild auf Wikipedia verdeutlicht die unterschiedlichen Entwicklungswege und wo das Gewebe landet. Nicht nur das, vieles, was bei der Penilen Inversion einfach “Weggeschmissen” wird, ergo Amputiert, im Volksmund auch Verstümmelung genannt, wird beim CF der richtigen Bestimmung zugeführt, dazu gehören Drüsenausgänge und Schwellkörper. Eine Vulva, die nach der CF Methode aufgebaut wurde, entspricht in allen wesentlichen Punkten einer, die keine Rekonstruktion nötig hatte.

Dank des hohen Drucks sind die Chirurgen Dr. Schaff und Dr. Seibold zunehmend bereit, den Chonburi Flap auzuführen. Für deutsche Kassenpatienten. Wieso das aufmerksam machen auf Heilungsmethoden “Gefährlich” ist, muss mir Kirsten dann doch mal erklären.

Diese Gruppe vertritt auch eine eigene Theorie zur Hormontherapie, die den normalen ärztlichen Verordnungen widerspricht. Gesundheitsgefahren sind hierdurch nicht ausgeschlossen!

Normale ärztliche Verordnungen liegen im Ermessen des Behandlers und fallen meist nach Behandler (nicht nach behandelter Person!) verschieden aus. Wer hat nun recht?
Behandler a) der Stets 100mg Androcur und Orale Estradioltabletten verschreibt
Behandler b) der Ausschliesslich auf orales Ethylestradiol setzt
Behandler c) der nach ausbleibenden Erfolgen einer Patientin Diane 35 verschreibt, da diese KEIN Androcur (CPA) enthält? (2mg CPA)

Tatsächlich sind Hormone im Skype-Chat im Gegensatz zum DGTi-Forum kein Tabuthema, und im Gegensatz zu den Behandlern für diese kein Randthema. Es wurde sich in einer Tiefe mit dem Thema auseinandergesetzt, die den meisten Endokrinologen die Schamesröte ins Gesicht treiben würde. Leider ist es aber meist Zornesröte, wenn sie bemerken, dass ein Patient besser informiert ist, als sie selbst.

Nach meinen Informationen geht übrigens besagte Kirsten ebenfalls nach dem herausgearbeiteten Ideal vor. Es ging also nur darum, zu schockieren.

Nun, keine der Personen, die ich kenne setzt auf Eigenmedikation ohne Ärztliche Überwachung. Geschweigedenn, dass das im Kuhstall empfohlen wird, wie Kirsten suggeriert.

Dennoch ist es besser, Betroffenen unkomplizierte Bezugsquellen wie www.goldpharma.com und die beste Vorgehensweise zu nennen, als dass diese sich z.B. die Modepille Diane 35 besorgen, die in mehrerer Hinsicht sehr gefährlich ist. Oder sich, wie ich, sich Jahrelang falsch mit Phytoprodukten, sogennannten Kräuterhormonen, falsch zu behandeln.

Der “Stall”, also der Skypechat, ist in seiner Eigenschaft als Chat in vielerlei Hinsicht das Gegenteil des DGTi Forums. Er ist nicht moderiert, es gibt keine Meinungs- oder Thementabus, und so fliegen unterschiedlichste Aussagen durch den virtuellen Raum. Nur wer mehrfachgegenüber anderen beleidigend wird, fliegt, und das waren, wenn ich korrekt gezählt habe, glaube ich zwei Rauswürfe mit späterer Wiederaufnahme.

Kirsten hat sich dafür entschieden, einige Teile, die sie offensichtlich ganz und gar nicht Verstanden hat, herauszugreiffen und daraus eine Warnung vor einem “Forum” mit einem Ideologischem Hintergrund zu konstruieren.

Im Gegensatz dazu arbeitet das DGTi-Forum mit mittlerweile mit Repression, Denunzation und Tabus. Schwer, sich vorzustellen, dass hier User echte Hilfe finden können. Während dort vor nicht allzulanger Zeit noch heftig aufgeschrien wurde, als andere Denunzierten, ist es nun selbst mittel der Wahl.

Fazit

Das DGTi-Forum hat sich mittlerweile dem Vorgehen des Vereins angenähert. Auch dort findet seit gut 20 Jahren (urprünglich Transidentitas) eine Anbiederung an bestehende Verhältnisse und die Behandler, die ich gerne mal als Misshandler bezeichne, statt und die Behandlung hat sich in den letzten 20 Jahren eindeutig nicht verbessert, sondern verschlechtert.

Der zitierte Beitrag von Kirsten macht deutlich, dass die DGTi nicht das geringste Problem mit der derzeitigen Psychopathologisierung hat, die sogar schon von Menschenrechtsorganisationen scharf kritisiert wurde. Die DGTi macht deutlich, dass sie sich gegen Innovationen in der Behandlung stellt. Die DGTi macht deutlich, dass sie Menschen sich lieber selbst umbringen lässt, als ihnen Hormoninformationen zukommen zu lassen.

Die DGTi macht deutlich, dass sie überflüssig wie ein Kropf ist.

Psychopathologisierung – von den Schwulen zu Transsexuellen zu Intersexuellen?

In der Diskussion über das absprechen der Weiblichkeit Tiwonge Chimbalangas durch LGBt und Menschenrechtsorganisationen im Blog Zwischengeschlecht.info ergab sich noch folgende fragende Feststllung durch Seelenlos, auf die ich etwas ausführlicher eingehen will und die ich deshalb damals nicht auf dem Blog kommentierte:

“dass du die vereinnahmungskaskade, unter der zwitter, aber auch transsexuelle leiden, anerkennst, freut mich. nachtrag: wie ich inzwischen sah, sprichst du das thema ja auch auf deinem blog (indirekt) an in bezug, dass die psychiater (m.e. nicht zu verwechseln mit psychologen/psychoanalytikern, deren kunden freiwillig bei ihnen sind und jederzeit gehen können), als sie die schwulen und lesben 1973 gezwungenermassen aus ihrer behandlungsfibel DSM und damit auch aus ihren praxen entlassen mussten, sich dafür einfach die transsexuellen krallten, was viele schwule auch heute noch wenig interessiert. dies hatte auch vincent guillot an der diskussion in zürich sinngemäss so gesagt: die befreiung der schwulen wurde mit der psychiatrisierung der transsexuellen erkauft, und die befreiung der transsexuellen wird mit der psychiatrisierung der intersexuellen erkauft werden (bei DSM-V werden ja zwitter klar verstärkt psychiatrisiert – die bauen schon vor)”

Und da liegt ein Fehler drin. Die DSM-V, wenn sie nach dem aktuellen Entwurf in diesem Bereich entsteht, leistet einen massiven Beitrag zur Entpsychopathologisierung in Bezug auf Intersexuelle.

Leider ist mir nur zu klar, wieso es überhaupt zu dem Gedanken kommt.

Doch dafür ist es Notwendig sich die Geschichte der Psychopathologiesierung vom Phänotyp abweichender Geschlechtlichkeit anzusehen.

Genitalangleichende (allerdings sehr rudimentäre) Operationen gab es schon vor 1973 aber noch wichtiger, auch schon vor John Moneys Behandlungsempfehlungen:

Claudia von zwitterforum.ath.cx schreibt:

Aufgrund der oft misslungenen Operationen jammerten Chirurgen: "It is easier to make hole than to build a pole". Der Psychologe Money lieferte die theoretische Rechtfertigung, immer "a hole" zu machen, wenn es technisch einfacher war. Dahinter versteckten und verstecken sich die Vielen, die kleine Kinder mit medizinisch unnötigen Operationen quälten. Vor Money sehr viel experimenteller als seit Money. Der bekannte Spruch, den Money aufgriff, war ein Ergebnis ihrer gescheiterten Experimente.

Moneys Whiteboardtheorie, nachdem alle nichtkörperlichen Aspekte von Geschlecht reine fragen psychologischer Entwicklung (psychosexuell) sind, hat die chirurgischen, verstümmelnden Herumbasteleien an den Organen intersexueller Kinder also nicht ausgelöst, sondern nachträglich gerechtfertigt. Auch die Chirurgen, die Genitalkorrekturen an Erwachsenen vornahmen, sehnten sich nach einer Rechtssicherheit, denn Kastrationen, die ja meist Bestandteil einer solchen sind, waren in den USA streng verboten.
Diese erhielten sie durch die Schaffung einer psychiatrischen Diagnose. Interessant ist an dieser Stelle auch zu erwähnen, das Agnes, eine transsexuelle Frau, die Hormone ihrer Mutter benutzte, sich bei ihrer Vorstellung bei den Ärzten, mit dem Ersuchen um eine Genitalkorrektur, als körperlich Intersexuell präsentierte und die Wahrheit erst erzählte, als mehrere, dem Thema eigentlich offen gegenüberstehende Spezialisten, Fachartikel über sie geschrieben hatten. Das sorgte für zukünftig grosses Misstrauen auf Seiten von Spezialisten.

Wie Milton Diamond in dem sehr lesenswerten Artikel Clinical implications of the organizational and activational effects of hormones (Seite 623 Hormons and Behavior 55 (2009)) beschreibt:

Suffice it to say, a theory that supported prenatal organization of
adult behavior had little sway among pediatricians, pediatric urologists
and others. The American physician's derived management philosophy
and belief in psychosexual neutrality at birth, spread throughout the
medical world and essentially held from the 1970s. As far as the general
public was concerned it also might be said that nurture was usually
given prominence over nature inpopular discourse of human sexual and
gendered behavior. And this belief, in the public world and in the
scientific world as well, held through the 1980s and into the late 1990s
despite evidence mounting to the contrary.
...
Since no environmental influences could be linked to
this transsexual phenomenon one might have thought itwould be taken
as particularly strong evidence for a theory of sexual development
incorporating some prenatal organization. This did not occur. Instead
transsexualismwas seen as amental problem(Gender Identity Disorder
or Gender Identity Dysphoria) and so recorded in the Diagnostic and
Statistical Manual of the American Psychiatric Association (DSM-IV-TR,
2000). Transsexuals were to be treated, not believed.

Unnötig zu sagen, eine Theorie die pränatale Organisation erwachsenen Verhaltens hatte wenig Einfluss unter Kinderärzten, Kinderurologen und anderen. Die Leitphilosophie und der Glaube der amerikanischen Ärzte an psychosexuelle Neutralität bei der Geburt verbreiteten sich über die Medizinische Welt und haben sich grundsätzlich seit den 70ern gehalten. Was die allgemeinere Bevölkerung anging, so ist hervorzuheben dass für Gewöhnlich Erziehung über Natur in populären Meinungen über Menschliches Sexual- und Geschlechtsverhalten gestellt wurde. Und dieser Glaube, sowohl in der öffentlichen als auch in der Wissenschaftlichen Welt, hielt sich durch die 80iger und bin in die späten 90iger trotz sich stapelnder Beweise für das Gegenteil.


Da keine Umwelteinflüsse mit diesem transsexuellen Phänomen verbunden werden konnten, hätte man meinen können, es wäre ein besonders starker Beweis für die Theorie einer Beteiligung pränataler Organisation der sexuellen Entwicklung. Das geschah nicht. Statt dessen wurde Transsexualismus als psychisches Problem gesehen (Geschlechtsidentitätsstörung oder Geschlechtsidentitätsdysphorie) und so in die DSM aufgenommen. Es musste ihnen eine Behandlung gewährt, aber nicht geglaubt werden..

Das bedeutet. Um die bestehenden Vorgehensweisen zu schützen, wurde die Transsexualität als psychische Störung konstruiert. Ist die Geschlechtsidentität eine Folge von vorliegen “richtiger” Geschlechtsorgane und Erziehung rechtfertigt dies die Vorgehensweise für Intersexuelle und gab nach Diagnose den Chirurgen bei eingewilligten Genitaloperationen eine Rechtssicherheit.

Nun kam es aber vor, dass Intersexuelle eine ursprüngliche Geschlechtszuweisung ablehnten. Um das ganze Konstrukt nicht auffliegen zu lassen, wurden diese in eine eigene Kategorie gepackt: Gender Identity Disorder not otherwise specified; Geschlechtsidentitätsstörung nicht anders Festgelegt…

In der Diagnose zu Transsexualtät muss eine intersexuelle Kondition ausgeschlossen werden. So ist und bleibt eine von den Wünschen der Umwelt abweichende Geschlechtsidentität denn immer eine psychische Störung.

Nachdem Geschlechtsidentität so stets auf der psychologischen Seite und Intersexualität der medizinischen Seite gehandelt wurden konnte man die Wirklichkeit der körperlichen Zusammenhänge lange verschleiern.

Und nun komme ich darauf zurück, warum viele intersexuelle Meinen, es gäbe eine Verschlechterung in der DSM V, denn im derzeitigen Entwurf gibt es keine zwei verschiedenen Diagnosen, sondern eine Intersexualität ist beim Vorliegen einer “Gender Incongruence” nur noch eine Randnotiz in der Diagnose.

Es ist die Vermischung mit den “verrückten” Transsexuellen, die viele Intersexuelle auf die Palme bringt, die bisherige, in den Folgen eher Problematische Diagnose ignorierend.

Ein schönes Beispiel für diese Denkweise findet sich auch in der Kommentarsektion von zwischengeschlecht.info zu einem anderen Artikel von User Einhorn:

Wer will als zwischengeschlechtliches Opfer schon in einem solchen kranken und diffamierenden Diskurs zwischen straffälligen Sexualverbrechern, Transen, die aus welchen hirnstrukturellen Defekten auch immer nach bestialischen Genitalverstümmelungen schreien, Suchtkranken und Psychiatriepatienten ans Licht der Öffentlichkeit treten?!


Gut, soweit wäre es ja erst mal alles wie gehabt. Worin liegt nun die Verbesserung?
Die bisherige Gender Identity Disorder oder Geschlechtsidentitätsstörung geht von einem eindeutigen Geschlecht, sowohl im Körperlichen Ursprung als auf in der Geschlechtsidentität aus. Die eigentliche Störung besteht ein Leben lang, da sie sich immer auf den körperlich festgelegten Ursprung bezieht. Übrigens nicht das “biologische” (dass es so nicht wirklich gibt), sondern das Hebammengeschlecht, dass ja bei Intersexuellen oft willkürlich festgelegt wird.

Gender Incongruence dagegen bezieht sich auf eine Diskrepanz zwischen Geschlechtsidentität und körperlichem Zustand, die Behoben ist, wenn sie nicht mehr besteht.

Es ist also anerkannt, dass eine zwischengeschlechtliche Person auch einen zwischengeschlechtlichen Körper haben kann. Es wird also nicht von einer Fehlentwicklung ausgegangen, wenn das Geschlecht nicht eindeutig ist.

Und das ist eine Revolution.

Besser wird es nur, wenn man das Thema, wie vielfach gefordert, endgültig den Psychopathologen aus der Hand nimmt.

Mittwoch, 23. Juni 2010

Hobbyaufgabe Ferrari 308 GTB

Die letzten zwei turbulenten Jahre kam ich nicht dazu, mich überhaupt gross mit dem Auto zu befassen, und so trenne ich mich nun von meinem Oldtimer:


Mehr Informationen gibt es bei Ebay

Dienstag, 8. Juni 2010

Völlig verrückte Berichterstattung dank Bigotterie

Associated Press, eine zentrale Presseagentur, hat eigentlich ein "Style Book", eine Sammlung von Richtlinien, wie man mit bestimmten Dingen umgeht. Darin ist zum Beispiel festgehalten, dass Menschen entlang ihrer selbstbestimmten Geschlechtlichkeit mit Personalpronomen versehen werden.

Nun wurde kürzlich von AP ein Bericht aufgegriffen und veröffentlich, der dann wieder so weiter veröffentlicht (hier zum Beispiel beim Examiner) wurde. Und in seiner Berichterstattung so Transphob ist, dass schlichtweg alles durcheinandergebracht wird und das, was wirklich passiert ist, nicht einmal mehr zwischen den Zeilen zu erkennen war und erst Bekannte der Betroffenen die Fakten darlegen konnten.

Hier der Übersetzte Bericht:

Transgender(te) Männer oben ohne am Strand von Deleware unterwegs




EHOBOTH BEACH, Del. — Der Rehoboth Strand in Delaware ist kein Oben-ohne-Strrand – aber einige trangerder(te) Männer erzeugten einen Aufruhr als sie ihn wie einen behandelten.
Die Polizei sagte, das sich am Memorial-Day-Wochenende Passenten beschwehrten, als die Männer ihre Tops auszogen und ihre chirurgisch vergrösserten Brüste freilegten.
Ein Bademeister bat sie ihre Tops wieder anzuziehen. Die Männer weigerten sich zuerst, aber bedeckten sich bevor die Polizei erschien.

"Selbst wenn sie es nicht getan hätten", merkte Polizeischef Keith Banks an, "machten diese Männer nichts Illegales. Da sie männliche Genitalien haben, können sie nicht wegen der Zurschaustellung ihrer Brüste angezeigt werden". Banks sagt es gäbe keinen Bedarf für ein spezielles Gesetz für diesen Fall nötg.

Die Rehoboth Strandverwalterin Kathy McGuiness ist sich nicht so sicher. Sie sagte, das Thema wird in einem Stadtratstreffen kommende Woche besprochen.

Quelle: http://www.delawareonline.com



Mein erster Gedankengang, und auch der vieler Leser und Blogger war, dass es sich wohl um transsexuelle Frauen handelte, einige zogen so gar den Schluss, dass dies eine Art moralischer Protest gegen die rechtliche Behandlung als Mann sei. AP somit einmal mehr gegen den eigenen Styleguide verstossen hat. Immerhin steht im Text ja etwas von chirurgisch vergrösserten Brüsten(*) und männlichen Genitalien.

Erst ein Kommentator bei Feministe klärte auf. Tatsächlich handelte es sich um männlich identitfizierte Menschen mit transidentem Hintergrund.

Ironischerweise hat AP also die Geschlechtszuweisung zufällig richtig hinbekommen, aber nicht aufgrund der vorliegenden Tatsachen, sondern weil sie automatisch davon ausgegangen sind, das transgender immer für Männer steht, die sich als Frauen aufführen (Sprachliche Unterdrückung von trans* Männern). Und, siehe (*) feminine Attribute an solchen immer künstlich sind. Eine Meme, die mir nur allzu vertraut ist (My Fair Tranny, Transphobes Meisterstück)

Was also tatsächlich passiert ist? Ein paar Männer haben am Strand gebadet und sich dabei ganz den ihrem Geschlecht entsprechenden Regeln verhalten. Da aber einige optisch eher wie Frauen aussahen beschwehrten sich passanten über die sichtbaren Brüste. Der Bademeister überzeugte die Herren, sich der Einfachheit halber doch zu bedecken, aber jemand hatte schon die Polizei verständigt die dann vor Ort auch nur noch den Kopf schütteln konnte.

Dann kam ein Reporter von Deleware news und produzierte einen sensationsheischenden und transphoben Artikel über angebliche Männer mit künstlichen Brüsten aka Transfrauen, denn so sagt einem ja das Allgemeinwissen, wenn von Trangender die Rede ist.

Dann stiess Associated Press auf den Artikel und machte eine landesweite Nachricht daraus... ohne auch nur irgendetwas zu hinterfragen oder sich an die eigenen Regeln zu halten.

Montag, 31. Mai 2010

"Schwules Paar" freigesprochen

Dank des internationalen Drucks wurden Steven Monjeza und Tiwonge Chimbalanga begagnadigt. Das ist ersteinmal sehr erfreulich. Doch nicht nur spricht die Presse durchgängig weiterhin von dem schwulen Paar beziehungweise den Schwulen Männern und auch Queer.de ist keinen deut besser. Zwar hat man dort auf viele Beschwerden reagiert und den Artikel etwas angepasst und ergänzt, doch der hinzugefügte Text schlägt dem Fass den Boden aus:

Doch wie soll man korrekt berichten? Der britische Schwulenaktivist Peter Tatchell, der sich für die Freilassung des Paares eingesetzt hatte, gibt dazu einige Ratschläge: Er habe weder von den Anwälten und Kontakten Tiwonges eine Antwort erhalten, wie Tiwonge sich selbst identifiziert. "Es wäre falsch, Tiwonge als ´sie´ oder ´Transgender´ zu bezeichnen, ohne entsprechende Anweisung oder Erlaubnis von Tiwonge selbst"

Als ob die bekannten Fakten nicht ausreichen. Ich zitiere noch einmal die New York Times (diesmal nur die Übersetzung):

Jean Kamphale, Mr.(!) Chimbalanga’s Chef in der Blantyre Lodge bezeugte, dass sie "Tante Tiwo" als Frau akzeptierte und sie ihr Koch- und Putzaufgaben gab, Nachdem der Artikel in "The Nation" erschien, liess sie ihre ihre Angestellte sich entkleiden und liess sich nicht darin stoppen bis sie nackt von der Taille an hinunter war. "Das war es, als die Katze aus dem Sack gelassen wurde."
...
Er(!) erklärte später "Ich habe männliche Genitalien, aber innendrinn bin ich eine vollständige Frau. Möglicherweise kann ich kein Kind gebähren, aber ich menstruiere jeden Monat - oder die meisten Monate - und ich kann jede Haushaltsaufgabe erledigen, die eine Frau kann"


Mal ganz abgesehen davon, das Tiwonge ein Frauenname ist. An anderer Stelle meinte sogar jemand, die Identifikation als Frau sei eine reine Schutzbehauptung gewesen.