Freitag, 2. April 2010
Biologismus - Teil 1
Die Wahrheit über das männliche Gehirn
Ich möchte Frau Binswanger gleich mal zur Titelwahl gratulieren - denn meist wird das maskuline Gehirn als Referenz genannt und dann über die Art geredet, wie sich die Gehirne von Frauen unterscheiden. Das ist schon aus Sicht der Biologie der völlig falsche Ansatz. Das männliche Gehirn ist das veränderte, das Basismodell das Weibliche.
Dabei gibt es unterschiedliche Zeitpunkte, zu denen diese Ausprägungen stattfinden. Vorgeburtlich, in der Pubertät und dann auch noch jeh nach aktuellem, hormonellem Millieu. Und je nachdem betreffen sie unterschiedliche Dinge.
Wenn man von Unterschieden zwischen Frauen- und Männergehirnen spricht, kommt gerne Gegenwehr von Feministinnen. Schnell wird von Biologismus gesprochen, der der Gleichberechtigung wieder die Barrieren in den Weg legt die der Feminismus der zweiten Welle mit der grossen Ikone "John Money" doch eigentlich ausgeräumt hatte - und alle Geschlechtsunterschiede auf Sozialisierung zurück führte.
Die frühere Argumentation der angeborenen Unterlegenheit der Frau steckt gewissermassen noch tief in den Knochen, und um sich ein Bild zu machen, warum das so ist, schadet es nicht, sich diesen Text einmal zu gemüte zu führen: Über den pathologischen Schwachsinn des Weibes.
Meiner Ansicht nach ist die aktuelle Haltung, bei jeder Erwähnung von neurologisch begründeten Unterschieden gleich davon auszugehen, dass diese Frauen in ein schlechtes Licht setzen, aber auch eine ziemlich Frauenfeindliche, denn man geht ja offensichtlich automatisch davon aus, dass diese negativ sein müssten. So kann und darf man das nicht sehen.
Ich will zwei Beispiele nennen:
Unterschiede in der Orientierung (gehört zu den vorgeburtlich angelegten Unterschieden):
- Männer orientieren sich oft mit Zahlenketten. 3. Strasse rechts, dann an der 2. Ampel links...
- Frauen eher an Wegmarken: Der Strasse folgen bis zu Post dann rechts und nach der Kirche links...
Ich sehe da erstmal keine Wertigkeit drin. So wie Strassenkarten aufgebaut sind, haben es Männer allenfalls etwas leichter, sie zählen durch, während Frauen sich erstmal anhand der Karte die Situation vorstellen.
Tatsächlich erkenne ich aber auch eine Benachteiligung der Männer. Ich hab schon erlebt, wie sich einer auf dem täglichen Arbeitsweg verfahren hat; weil er sich verzählt hat.
Um gut zu Navigieren, müssen beide Geschlechter über den instinktiven Schatten springen. Am besten navigiert, wer sich die Situation von Oben vorstellt.
Noch interessanter wird es bei einem Punkt, der vielen Frauen sauer aufstösst und der auch in den Kommentaren des Mamablogs :
Die Grundaussage, Frauen könnten nicht Einparken. (Zu einem grossen Teil eine Frage des aktuellen Hormonmillieus)
Nun erstmal die Frage, woran liegt das überhaupt? Und die kann ich beantworten, weil ich da gewissermassen brutal in die Falle getappt bin:
Als sich mein Hormonmilleu veränderte, verschlechterte sich meine Ortung für Gegenstände oder Töne im Raum. Das ist mir erst spät aufgefallen - und erst nachdem ich mir einige Schäden am Auto zugezogen habe. Es wäre allerdings nicht zu Schäden gekommen, wenn das bei mir immer so gewesen wäre, denn das Problem war, dass ich mich auf einen Sinn verliess, der gar nicht mehr da war. Im Grunde genommen kann man das gerade beim Einparken sehr gut umgehen, in dem man über die Seitenspiegel rückwärts fährt.
Nun ist das aber tatsächlich ein echter Nachteil für Frauen? Mal abgesehen davon, dass Frauen dafür ansonsten besser Auto fahren (die Versicherer wissen das) gab es einen Ausgleich:
Eine immense Verbesserung meines Reaktionsvermögens und der Hand-Augen Koordination. Da verlieren testosterongetränkte Gehirne so einiges und man muss sich nicht wundern, warum männliche Jugendliche oft etwas Tumb wirken.
Das sind nur einige wenige Aspekte. Aber ich wollte auch nur verdeutlichen, dass die ganze Sache oft etwas Einseitig betrachtet wird.
Montag, 8. März 2010
Die Stimme und das "Deutsch"
Sieht man sich die Partyszene aus Transamerica an, bemerkt man, dass es auch unter Amerikanern nicht immer so leicht ist. Bis auf Felicita Huffman sind in der Szene ja alle transsexuellen Menschen tatsächlich Betroffene:
Eigentlich nur Bianca Leigh (Mary Ellen, die auch singt), Calpernia Addams (die Geigenspielerin) und Andrea James haben die Stimme wirklich "sauber" im Griff, bei allen anderen hört man etwas raus. Aber es ist ziemlich sicher das zumindest Andrea James einen normalen Stimmbruch hatte. Von ihr stammt ja auch ein kommerzielles Lehrvideo (das am Anfang von Transamerica ausschnittweise zu sehen ist) und ein begleitendes Dokument, das auf Deutsch verfügbar ist. Und auch die bekannte Youtubeserie von CandyFLA ist von einer Person mit normalem Stimmbruch. In Chonburi (Thailand) wo ich wirklich vielen Betroffenen aus aller Herren Länder begegnet bin sah es allerdings auch nicht viel besser aus. Laut einer Aussage einer anderen waren nur zwei dabei, die eine wirklich gute Stimme hatten. Eine ohne Pubertät und Ich (nach CandyFLA Methode geübt). Später kam noch eine Deutsche hinzu, die jedoch auch keine richtige Pubertät hatte.
Irgendetwas scheint es für deutschsprachige Menschen noch schwieriger zu machen. Und wenn ich zurück denke, hatte mein Logopäde so etwas auch gesagt. Er meinte z.B. Italienisch würde viel mehr Möglichkeiten bieten.
Vor kurzem liess ich eine andere Person an meiner Überlegung teilhaben - und sie machte mich auf ein Youtube Video von Wandlungskünstler Hape Kerkeling aufmerksam. Und da fällt tatsächlich so richtig auf, wie Unterschiedlich sich die einzelnen Sprachen phonetisch Auswirken:
Interessant ist, dass Hape Kerkeling in seiner Alltagsstimme fast ohne Brusstimme spricht. Verkörpert er weibliche Rollen, haben sie fast immer holländischen Akzent. So bekommt aber auch er die Stimme nicht allzu gut hin und stürzt auch gelegentlich ab.
Nun möchte ich niemandem die Hoffnung rauben. Die Anzahl derer, die im Alltag und am Telefon ganz normal als Frau erkannt werden, ist schon hoch. Ich spreche hier gewissermassen vom höchsten Ziel. Und kürzlich erkannte ich meine Tante nicht an der Stimme, als sie mich anrief, tatsächlich dachte ich erst, es müsse eine andere Betroffene sein... so kritisch bin ich mittlerweile beim Beurteilen ;-)
Sonntag, 7. März 2010
My Body is a cage
"My Body Is A Cage"
My body is a cage that keeps me
From dancing with the one I love
But my mind holds the key
My body is a cage that keeps me
From dancing with the one I love
But my mind holds the key
I'm standing on a stage
Of fear and self-doubt
It's a hollow play
But they'll clap anyway
My body is a cage that keeps me
From dancing with the one I love
But my mind holds the key
You're standing next to me
My mind holds the key
I'm living in an age
That calls darkness light
Though my language is dead
Still the shapes fill my head
I'm living in an age
Whose name I don't know
Though the fear keeps me moving
Still my heart beats so slow
My body is a cage that keeps me
From dancing with the one I love
But my mind holds the key
You're standing next to me
My mind holds the key
My body is a
My body is a cage
We take what we're given
Just because you've forgotten
That don't mean you're forgiven
I'm living in an age
That screams my name at night
But when I get to the doorway
There's no one in sight
My body is a cage that keeps me
From dancing with the one I love
But my mind holds the key
You're standing next to me
My mind holds the key
Set my spirit free
Set my spirit free
Set my body free
Donnerstag, 4. März 2010
Männerland und Frauenland (C) by Svenja
Deswegen schreibe ich es als Artikel.
Erst ein paar Punkte zu Svenjas Aufenthaltsbericht:
Da musst du nicht am ganzen Körper und im Gesicht immer makellos sein. Im Gegenteil. Ich hab mir mal die Arme und Beine rasiert, da hat meine Ehefrau eine Riesenszene gemacht.
Julia Serano hat in ihrem Buch Whipping Girl diesem Phänomen ein kleines Kapitel gewidmet, das Bloggerin Butch Bitch übersetzt hat: Das Haarspangen-Manifest.
Weiter schreibt Svenja:
Ein paar von uns Auswanderern sind hier ja nicht zurechtgekommen und dann doch wieder zurückgegangen nach Männerland. Zum Glück gibt es dafür ja extra die einjährige Probezeit mit Quarantäne. Das nennt sich Alltagstest und viele haben total Angst davor, weil man in dieser Zeit nirgends so richtig dazu gehört.
Es ist ja die Quarantäne, die den Alltagstest zur Farce macht. Die angebliche Grundidee des Alltagstests ist ja, dass man das Leben im eigentlichen Geschlecht kennen lernen soll. Das Funktioniert in etwa so gut, als wenn man jemanden in einem Urlaubshotel im entsprechenden Land einquartiert und von dort aus kleine Touren zu den Sehenswürdigkeiten stattfinden. Mit dem Rucksack und der Kamera immer klar als Tourist erkennbar. Sicher, meist sind die Einheimischen freundlich, aber vom eigentlichen Leben bekommt man nichts mit. Nur ist das ganze noch schlimmer... Touristen sind in den beiden Ländern nicht gerne gesehen, und schlecht integrierte Immigranten noch weniger.
Nun schreibt Kommentatorin Hexe:
Ich würde gern mal einen Urlaub in Männerland machen. Hab ich mir schon als kleines Mädchen gewünscht. Nicht für immer, nur nicht. Aber ganz ehrlich, ich wollte schon immer mal wissen, wie sich so eine bestimmte Sache für die Männer anfühlt.
Es funktioniert leider nicht. Eben wegen dem Rucksack und der Kamera...
Frida Thurm vom Spiegel hat es zum Beispiel probiert und davon Berichtet: Im Körper des Feindes
Norah Vincent war etwas erfolgreicher, ihre anthropologische Studie dauerte etwa ein Jahr – und endete in einem Nervenzusammenbruch. Sie schrieb das Buch „Self Made Man: One Woman's year Disguised as a Man“ darüber. Etwa die Hälfte der transsexuellen Menschen hält länger durch. Die andere Hälfte endet im Selbstmordversuch. Das allerdings ist die Statistik der Überlebenden.
Es gibt eine Simpsons Folge: Gleichung mit einem Unbekannten in der Lisa durch die Umstände getrieben dieses Experiment wagt. Ich habe diese Folge auf der Festplatte, weil sie mich so sehr an meine eigene Kindheit erinnert. Das Thema ist für mich zu persönlich und zu schmerzhaft als dass ich darüber in diesem Blog schreiben wollte, aber Britta hat eine kleine Serie ihre Kindheits- und Jungenderfahrung geschrieben:
Hier nur zwei Artikel aus der Serie:
Allein unter Männern
kleiner Leid(!)faden transidenter Überlebensstrategien
Mimese und Mimikri
wie Britta sich eine kleidsame Tarnkappe häkelte
Zirkuskind fragt:
Hast du manchmal das Gefühl die Männer dieser Welt verteidigen zu wollen, weil du auch mal einer warst oder siehst du mit einem breiten Grinsen drüber hinweg??
Tja, das ist ein Missverständnis. Nur weil man in Männerland gewohnt hat, war man deswegen eben nicht eine Mann. Ich habe mir vielleicht ein besseres, tieferes Bild über Männer machen können, als es die meisten anderen Frauen haben, aber keinen Bericht aus der gewünschten Perspektive abgeben. Fühle ich mich genötigt, Männer manchmal zu verteidigen? Nein, wenn sie sich Lächerlich machen, ist das ihre Sache.
Sudda Sudda ist mir da schon näher:
Lass uns setzen, still einen kühlen Schluck genießen und schweigend das Leben im Frauenland genießen, bevor...
ja, bevor...
WIR ÜBER DAS MÄNNERLAND LÄSTERN!
Katrin fragt:
Ich finde ja, dass Du einen Vorteil hast gegenüber Biofrauen. Du weißt, wie es sich anfühlt, ein Mann zu sein UND wie es ist, eine Frau zu sein. Wobei Du Dich ja als Mann trotzdem wie eine Frau (im Männerkörper) gefühlt hast? Oder gab es Zeiten, in denen Du Dich wie ein Mann gefühlt hast?
Ich kann natürlich nur für mich sprechen. Nein, ich weiss nicht, wie es sich anfühlt ein Mann zu sein. Das Körperbild stimmte nicht mit der neuronalen Vernetzung im Gehirn überein. Bei einem Mann tut es das. Ein Mann findet es nicht als Eklig, Dicke Haut mit viel Haaren zu haben und zuckt bei jeder Berührung des Körpers zusammen. Und das ist nur ein Beispiel. Gerade was die Genitalien betrifft hatte ich zwar das selbe Equipment, und es wurde auch dahingehend getestet, ob es funktioniert, aber es fühlte sich für mich an wie ein Geschwür. Heute ist zwar alles am richtigen Platz, aber zum Beispiel die Oberfläche der Klitoris fühlt sich immer noch falsch an. Da weiss ich, dass auch die beste derzeit verfügbare Technik keine echte Rekonstruktion hin bekommen hat.
Um nochmal auf Katrin ein zu gehen:
Du bist eine Frau und weisst aber, wie sich "das eine" für einen Mann anfühlt. Wüsstest Du gerne, wie es sich für eine Frau anfühlt?
Hab ich mich zu unklar ausgedrückt? Oder steigt man da durch?
Ich weiss eben nicht wie sich die männliche Seite (für einen Mann) anfühlt, aber ich wusste vorher schon ganz genau, wie sich die weibliche anfühlt. Da gab es auch keine grosse Diskrepanz zwischen dem Wissen darum und dem nun möglichen Erleben.
Mittwoch, 10. Februar 2010
DSM V Entwurf
302.6 Gender Identity Disorder in Children
302.85 Gender Identity Disorder in Adolescents or Adults
und
302.6 Gender Identity Disorder Not Otherwise Specified
also "Geschlechtsidentitätsstörung bei Kindern", "Geschlechtsidentitätsstörung bei jugendlichen und Erwachsenen" sowie die meist für Intersexuelle genutzte "Geschlechtsidentitätsstörung nicht weiter spezifiziert" verfahren wird.
Die schlechte Nachricht: Sie werden nicht entfernt (zugunsten einer medizinischen Diagnose), wie von vielen Betroffenen und Menschenrechtsorganisationen (wie z.B. ATME) gefordert und neurologische Ursachen werden weiterhin totgeschwiegen.
Intersexualität ist kein Ausschlusskriterium mehr (bzw. wird nicht auf 302.6 geparkt), was aber auch bedeutet, dass
a) Intersexuelle mit einer vergangenheit chirurgischer Zwangszuweisung im für sie falschen Geschlecht in einer "Psycho-"Gruppe mit Transsexuellen landen.
b) wenn es im ICD Schlüssel so übernommen wird, zumindest in Deutschland evt. weniger Probleme entstehen, gerade wenn eine IS Kondition erst im Rahmen der Behandlung entdeckt wird.
Ich kann mir vorstellen, dass es für diejenigen die sich immer für eine strikte Trennung von IS und TS eingesetzt haben eine mittlere Katastrophe ist und es eine Menge Schuldzuweisungen an TG/TS Organisationen geben wird.
Ein weiterer Ärgernis für viele intersexuelle Menschen dürfte die Verwendung der DSD (Disorders of sexual development) Nomenklatur darstellen.
Es gibt aber auch eine Menge Positives.
"Gender Identity Disorder in Children" soll zu Gender Incongruence (in children) werden.
Insgesamt gibt es jetzt 8 Diagnosekriterien, von denen mindestens 6 erfüllt sein müssen (früher 4 von 5) und eine davon muss in jedem Fall der Wunsch, dem anderen als dem zugewiesenem Geschlecht anzugehören oder die überzeugung, dem anderen als dem zugewiesenem Geschlecht anzugehören, sein.
Die Zwangspathologisierung geschlechtsrollenunkonformer Kinder (Jungen, die mit Puppen spielen oder Mädchen, die Fussball lieben und lieber kurze Haare haben usw.) wird damit stark eingeschränkt.
Die Kriterien gehen hauptsächlich auf Cohen-Kettenis zurück, die sich sehr um die Behandlung von betroffenen Kindern und Jugendlichen Verdient gemacht hat.
"Gender Identity Disorder in Adolescents or Adults" zu
Gender Incongruence (in Adolescents or Adults)
Die Formulierung ist dahingehenden abgeändert worden, das nicht mehr vom "anderen Geschlecht" sondern vom zugewiesenem Geschlecht gesprochen wird. Begründet wird dies damit, dass das zugewiesene Geschlecht recht beliebig sein kann und dass die Diagnose damit nach Behandlung und Zufriedenheit des Patienten auch verschwindet. Gleichzeitig gilt dies dann auch für Rückkehrer.
Es gibt noch vieles weiteres Interessantes, unter dem Reiter [Rationale] finden sich jeweils ausführliche Begründungen.
Edith sagt: Noch ein kleiner Nachrtrag. Es wird auch sehr darauf geachtet, dass das Erfahrene Geschlecht binäres sein muss: the other gender (or some alternative gender different from one’s assigned gender)
Freitag, 5. Februar 2010
Blogosphäre
Im Blog Mädchenmannschaft wurde die Wahl des Bloggermädchens 2009 ausgerufen. Gewonnen hat das Blog: Frau Liebe. Ich Gratuliere :-)
Für mich persönlich interessant ist, was im Vorfeld geschehen ist, denn nominiert war auch ein alter Bekannter: Das Blog Feminine Lesbians.
Ein Leser der Mädchenmannschaft informierte jedoch diese über eben jenen Artikel, auf den ich einst hin wies, und wegen der rasenden Transphobie des Artikels wurde die Nominierung zurückgenommen: Gegen Transphobie!
Als Betroffene sage ich mal ganz klar Danke für dieses Zeichen.
Die Feminine Lesbians ihrerseits nahmen das natürlich weniger gut auf. Nachdem sie in der Vergangenheit stets darauf Aus waren, Seitenhiebe (vgl. Sexuelle Erregung, Gender oder Bio, wobei die FBs 2 Studien vermischen) oder auch konkretere Artikel gegen Betroffene zu schreiben geht es jetzt richtig los.
So Beginnt derzeit eine Kaskade gegen Betroffene und die Mädchenmannschaft:
Jawoll, wir sind auch gegen Hetero!
und
Alles queer…?
In der Kommentarsektion von “Jawoll, wir sind auch gegen Hetero” gibt es einige Aussagen der Autorin, Claudia, auf die ich eingehen will:
”Ob ich für oder gegen Trans bin? Ich persönlich stehe dem eher wenig positiv gegenüber, da ich von der Lesbenszene mehr oder weniger “traumatisiert” bin, in der generell “Männlichkeit” mehr zählt als eine Weiblichkeit. So ist es dort auch mit Transmännern. Als wir diesen Text gegen Trans geschrieben haben, hatten wir darunter sehr viele Kommentare von Transmännern (Frau zu Mann) – und zwar ausschließlich von denen. Also keine Transfrauen darunter, sprich Mann zu Frau. Das ist doch schon sehr seltsam oder?”Wir haben doch alle beide diffamiert- aber die ehemaligen “Männer” scheinen sich mehrheitlich weiterhin lieber bei Ihresgleichen aufzuhalten. Bis auf die ehemaligen heterosexuellen, die jetzt natürlich lesbisch sind…”
Sehr zynisch… jeder Kommentar, den ich (als transsexuelle Frau) dort abgegeben habe, wurde nicht frei geschaltet. In keinem davon ließ ich mich übrigens auf das niedrige Niveau herab und verzichtete auf persönliche Angriffe.
Leider macht sie auch deutlich, dass sie nicht zwischen Butchlesben und transsexuellen Männern unterscheidet, sondern lediglich von sozialen Lifestylekomponenten spricht. Im Wesentlichen nichts anderes, als wenn man effimierte Schwule und transsexuelle Frauen gleich setzt. Warum das so ist, wird im eigentlichen Text deutlich. Für sie gibt es keine angeborenen Komponenten, auch nicht die sexuelle Orientierung, die sie ebenfalls für ein Zeitgeistphänomen hält.
Um es wenigstens ein wenig zu verstehen (und auch unsere Ablehnung von Trans) sollte man sich unbedingt den von uns verlinkten Text von der Intersexuellenseite durchlesen.
Gemeint ist ein Text von Nella und Seelenlos, die mit der Verwendung des Selben um Transbashing zu rechtfertigen, laut eigenen Aussagen, nicht einverstanden sind:
hi lukas, der text ist auf de.indy mit einer creative-commons lizenz für nicht-kommerziellen gebrauch freigegeben -- obwohl ich mich allerdings schon frag, warum er in der ganzen länge wiederholt werden musste. und auch, was -- soweit ich mir einen überblick über die "kontroverse" verschaffen konnte -- der zusammenhang mit dem femininelesbians-blog bzw. den "einschlägigen" posts dort ist, zumal auch typischerweise keine inhaltliche auseinandersetzung mit unserem text stattfand, sondern er pauschal als "beweis" für etwas herangezogen wurde, worums darin m.e. gar nicht geht -- eine weitere ebene von instrumentalisierung sozusagen.
Das Thema Vereinnahmung und Instrumentalisierung DURCH Transsexuelle kommt auch in ihrem Artikel: “Alles Queer…?” noch einmal deutlich zur Sprache:
”Und die Transexuellen selbst sehen sich als intersexuell im geistigen Sinne, ein richtiger Geist in einem falschen biologischen Körper, aber die plastische Chirurgie und lebenslange Hormongaben können da schon Abhilfe schaffen…schauen wir uns also mal die Hierarchie der “Verwertungskette” etwas näher an: Hetero-Schwul-Lesbisch-Transident-Transexuell-Intersexuell; und beim letzten und schwächsten Glied der Kette bin ich dann auch fündig geworden.”
(Gemeint ist einmal mehr der oben genannte Text)
Und das es gar nicht so selten eine Vereinnahmung von Transsexualität durch Intersexuelle gibt, wird gänzlich ausgeklammert. So wurde bezüglich Lili Elbe zum Beispiel Berichte über die Selbe als erste behandelte Transsexuelle von OII Australia kürzlich als Vereinnahmung von Intersexuellen durch Transsexuelle dargestellt, Lili Elbe somit zur Intersexuellen erklärt, obwohl eine transsexuelle Frau, die ähnlich untervirilisiert ist und heute von sich sagen würde, sie ist Intersexuell, ihrerseits als Vereinnahmerin bezeichnet würde.
Auch meine eigenen Worte zum Thema zu wiederholen:
Einmal abgesehen davon, dass darin der Umgang der Ärzte und Forscher mit dem Thema den Transsexuellen selbst angelastet wurde. Ja, ich bin mir sicher, das amputieren und anschliesende Verpflanzen von "richtigen" Hoden, Elektroschocktherapie, Lobotomien und Einweisungen in geschlossene Anstalten waren der ausdrückliche Wunsch von transsexuellen Menschen.
Das Claudia der Meinung ist, Transsexualität sei übersteigerte Homosexualität meint sie auch:
Und wenn das noch nicht genug ist, informiere dich bitte was es für eine, zumeist ursprünglich lesbische Frau, konkret bedeutet operativ zu einem sogenannten Mann zu werden. Nämlich: Künstliches Testosteron (männliches Hormon) nehmen, Brüste amputieren lassen, Totaloperation, also die Gebärmutter mit Eierstöcken herausnehmen lassen, verfrühte Menopause mit allen Symptomen der verschärften Klimeteriumsbeschwerden wie Hitzewallungen und Gefühlsschwankungen.
Nein Claudia, transsexuelle Männer sind nicht ehemals lesbische Frauen (dann eh schon freiwillig Lesbisch, wo ist dann der Zwang?) und für einen Mann sind Brüste extrem unangenehm. Das ist nichts psychisches, das ist in der Verdrahtung im Gehirn verortet. Du hast keine Ahnung, wie es für einen Transmann ist, beim Autofahren ständig mit dem Unterarm gegen Etwas zu stossen, das eigentlich gar nicht da sein sollte. Und das mit dem verfrühten Klimakterum ist schlichtweg falsch, es sei denn der Mann verzichtet nach der Entfernung der Eierstöcke und Gebärmutter auf, von aussen zugeführte, Hormone.
Wie dem auch sei, aber ich persönlich denke nicht, dass in den meisten Fällen wirklich ein “richtiger” Geist in einem “falschen” Körper steckt. (Dazu sollte man sich auch zu Gemüte führen, dass die Trennung von Geist und Körper erst dadurch entstand, dass Frauen, im Gegensatz zu Männern, durch die Fähigkeit Kinder zu bekommen sozusagen unsterblich sind. Um Abhilfe zu schafften wurde schnell der Geist vom Körper abgetrennt und, im Gegensatz zum vergänglichen Leib, unsterblich und ewig gemacht. Und um das Ganze noch zu vervollkommnen wurde der Frau dann flugs noch die Seele abgesprochen… das nur am Rande hier.)
Das Erste ist deine Meinung, die einfach nur zeigt, dass du nicht begreiffen kannst. Dein weiteres Posting zeigt, dass du zwar “Biology = Destiniy” betreibst, andererseits aber nicht einsehen kannst, dass das Gehirn anders als der sichtbare Restkörper sein kann. Das ist kein Argument, das ist Esoterik.
Und wenn jemand wirklich meint im Gegengeschlecht leben zu müssen, dann soll Er/Sie das bitte tun- aber ohne derart den eigenen Körper zu verstümmeln.
Erstens, was geht es dich eigentlich an, was Jemand mit seinem Körper tut? Ich würde niemals Botox in mein Gesicht spritzen lassen, ich sehe das als Verstümmelung, aber wieso sollte ich das anderen Verbieten?
Zweitens. Die Betroffenen leben vor der Behandlung im Gegengeschlecht, es geht nicht darum, einen Körper zurechtzuverstümmeln, sondern so weit möglich von der gegengeschlechtlichen Entwicklung zu heilen.
Witzig finde ich ihr Fazit:
Alles in Allem ein sehr komplexes Thema, dass zur Zeit mehr von festgefahrenen Ideologien/Dogmen – anstatt von einer wirklich kritisch-konstruktiven Auseinandersetzung beherrscht wird.
Die Auseinandersetzung damit findet seit mehr als 80 Jahren statt. Seit 80 Jahren haben Leute versucht, eine psychologische Ursache für den Wunsch zu finden, warum eine Frau ein Mann sein will oder ein Mann eine Frau. Und sind stets gescheitert, weil sie wieder und wieder die falsche Frage stellen.
Wieder und wieder versuchen Leute wie Claudia, Transsexualität nach ihren Ansichten zurecht zu theoretisieren, und immer wissen sie es besser als Betroffene und die Forschung.
Donnerstag, 7. Januar 2010
Transphobes Meisterstück
Vor kurzem wurde von Präsident Obama eine Frau für ein wichtiges Amt berufen. 3 Akademische Titel und 30 Jahre breite Erfahrung auf dem entsprechenden Gebiet hatten sie zum idealen Kandidaten gemacht. Eigentlich kein sehr hohes Amt und selbst in den USA eigentlich kaum einer Erwähnung wert, doch die Nachricht schwappte sogar in Österreichische und Schweizer Boulevardmedien, die sich ansonsten nicht sehr politisch interessiert geben – denn die gute Frau hat eine transsexuelle Vergangenheit. Während aber diese Blätter, zumindest für ihre Verhältnisse, recht Neutral berichteten folgte nun, satte zwei Tage später, ein Artikel auf der Webseite der Welt.
Nach einer kurzen Einführung liest man dort:
Während Amanda Simpson in diesen Tagen aus begreiflichen Gründen keine Einzelheiten zu ihrer schmerzhaften Frauwerdung preisgibt, war sie in einem Interview mit dem "Arizona Daily Star" Ende Juni 2002 umso offener. Mehr als 70 000 Dollar für sechs Operationen hatte es sich Mitchell Simpson kosten lassen, Amanda, "die zu Liebende", und Renae, "die neu Beginnende", zu werden. Er ließ seinen Adamsapfel entfernen, einen Busen formen, seine Lippen aufwerfen und unterzog sich komplizierter genitaler Chirurgie. Mehr als 250 Stunden verbrachte er bei einem Hautarzt, der ihm die Barthaare verödete; unter dem Make-up, fand damals ein Beobachter, könne man bei genauem Hinsehen die Narben der Behandlung entdecken. Mitchell wuchs mit drei Brüdern in einer frommen jüdischen Familie in Kalifornien auf. Mitchells Mutter, die in Los Angeles lebt, brauchte lange, bis sie Amanda verzieh. Heute tauschen die beiden Schminktipps aus, und ihre Mutter genießt es, noch eine Frau in der Familie zu haben.
An den 1,75 Meter Körpergröße, muskulösen Beinen, der Schuhgröße 42 und den großen Händen kann Amanda nichts ändern. Ihr blendendes Lächeln, die (fast zu perfekt gelegten) blonden Haare, ihr betont weiblicher Gang und eine in Dutzenden Übungsstunden bei Logopäden höher und weicher geformte Stimme sind umso elaborierter. Sie ist, anders als Mitchell, ganz und gar ihre eigene Schöpfung. Dabei will sie nichts sehnlicher als in ein weibliches Leben einzutauchen: "Wir Transsexuellen sind normale Menschen, die ein normales Leben führen wollen." Ihr heute 14 Jahre alter Sohn, der seine Mutter liebt wie früher seinen Vater, gibt Simpson Normalität.
Was macht diese zwei Absätze nun so, nun ja, mir fällt gerade kein besserer Begriff ein; Hinterfotzig?
Der Autor Uwe Schmitt will dem Leser in diesem Text nur eines vor Augen führen: Die angebliche Künstlichkeit von Ms. Simpsons Geschlecht. Die Beziehung zur ihrem Sohn stellt Schmitt als “Notanker” in der Realität da, als ob Frauen mit transsexueller Vergangenheit nicht einfach ein normales Leben führen könnten.
Noch viel deutlicher ist, dass er Amanda Simpson als Mann sieht. Er betont es ja ausführlich: “Sie ist, anders als Mitchell, ganz und gar ihre eigene Schöpfung”
Nein. Herr Schmitt. Sie ist die Frau, als die sie geboren wurde. Mit einem medizinischen Handlungsbedarf der verhinderte, das sich ihr Körper falsch entwickelt, was dennoch passiert ist. Sie hat mehr als 40 Jahre versucht, die Erwartungen ihrer Umwelt zu erfüllen und dazu ihre ganz eigene Schöpfung der Persönlichkeit ‘Mitchell’ aufgebaut, der die Menschen damals Begegnet sind. Und das kann auf Dauer nicht gutgehen. Statt sich zu freuen, dass diese Frau Hilfe finden konnte, machen Sie sich noch über sie und die Narben der falschen körperlichen Entwicklung Lustig. Soll das Journalismus sein?
Stattdessen muss Herr Schmitt auf seine Vorurteile bauen. Worte, die töten.
Angie Zapatas Schwester Monica Murguia, links und ihre Mutter, Maria Zapata bei der Urteilsverkündung des Möders ihrer Tochter, Allen Andrade am 22. April 2009 in Greeley: Quelle: GreeleyTribune.com
Ein wenig Nachhilfeunterricht könnte Herr Schmitt sich bei meinem Artikel hier holen.
Desweiteren finde ich Schade, dass Herr Schmitt nicht weiter auf den Zitierten Satz eingeht:
Anders als Schwarze, die diskriminiert wurden, verdienten Transsexuelle keine ausgleichende Rücksichtnahme.
der Nicht einmal mehr durch Anführungszeichen als solcher kenntlich gemacht wird. Ich werte das einmal als Übereinstimmung des Autors mit Matt Barber, der es ursprünglich gesagt hat. Menschenrechte ja, aber nicht für alle?
Und ist nun irgendetwas daran, dass diese Nominierung mehr Politisch als Aufgrund von Qualifikation geschah? Wohl eher nicht.
Die geschätzte Zoe Brain, die im entsprechenden Berufsfeld arbeitet, drückt es in einem Kommentar bei ABC News folgendermaßen aus:
*SIGH* OK, I'm in the industry myself. I can think of a few names who have the same or better technical knowledge. None who have the business administration degree as well. There's probably a few, but they're heads of departments of major firms, or even CEOs. There might be a dozen on the entire planet who are US citizens. Probably not though. And of the 4 I know, 2 are intersexed, 2 transsexual. The atypical neurology they have is a mixed curse: they get intellectual gifts as well as problems with their mismatched bodies. // Dr Stephanie Langhoff, Chief Scientist at NASA's Ames Research centre is too weak in the military area. Prof Lynn Conway is too busy, and has no formal business administration experience. One other likewise. And another has neither the business experience, nor is a US citizen
*Seuzf*. In Ordnung ich bin selbst in dieser Industrie. Ich kann nur an wenige Namen [von Personen] denken, welche die selben oder bessere technologische Kenntnisse haben. Keine davon haben außerdem einen betriebswirtschaftlichen Abschluss. Da gibt es möglicherweise ein paar, aber sie sind Abteilungsleiter oder Geschäftsführer. Es könnte ungefähr ein Dutzend auf der Welt geben, die US Bürger sind. Vielleicht nicht ganz. Und von den Vier, die ich kenne, sind zwei Intersexuell und zwei Transsexuell. Die untypische Neurologie ist ein gemischter Fluch: Sie bekommen intellektuelle Talente genauso wie die Probleme mit den unpassenden Körpern. // Dr.Stephanie Langhoff, Chefwissenschaftlerin am NASA Ames Forschungszentrum ist zu schwach im militärischen Bereich, Professor Lynn Conway ist zu Beschäftigt und hat keine Betriebswirtschaftliche Erfahrung. Eine andere wahrscheinlich. Und eine andere hat weder betriebswirtschaftliche Erfahrung, noch ist sie US Bürger.
Was Zoe hier anspricht, ist so harter Tobak, dass ich eigentlich vermeide, darüber zu schreiben. Tatsächlich gibt es mindestens zwei wissenschaftliche Arbeiten, die auf einen durchschnittlich 30% höheren IQ gegenüber der Gesamtbevölkerung hin deutet. Das bedeutet nicht, dass jede transsexuelle (oder intersexuelle) Person hochintelligent ist, aber es macht sich auch bemerkbar. Die Statistik, dass 1,8% aller prominenten Programmierer eine transsexuelle Vergangenheit haben (und das sind nur diejenigen, bei denen es Bekannt ist) hatte ich ja schon einmal verlinkt.
Was statt dessen für ein Bild über transsexuelle Menschen nicht nur geschürt, sondern offensichtlich auch gewollt wird wurde mir in einer Diskussion im “Mamablog” kürzlich überdeutlich gemacht.
- Transsexuelle arbeiten alle in der Sexbranche
- 80% Prozent sind nach Behandlung Suizidial
- Transsexualität ist ein psychisches Problem, dass nicht geheilt, sondern durch chirurgischen Größenwahn unterstützt wird.
Das ging so weit, dass sogar Forderungen nach Lobotomien laut wurden (zerstört Dauerhaft die Persönlichkeit).
Gott sei Dank sind nicht alle geneigt, Aufgrund ihrer Ängstlichkeit vor unbekanntem, Talente zu verschwenden. Die meisten Fortune 500 Unternehmen haben mittlerweile eindeutige Policen in Bezug auf Nichtdiskriminierung und nicht wenige Krankenkassenpolicen, die in den USA, wo sonst Krankenkassen nichts übernehmen, die Behandlungskosten zahlen.
