Freitag, 8. Mai 2009
O weh...
Ich musste ja Nikotin und Hormone abesetzen und habe davor schon mit einer leichten Rückkehr von Depressionen (möglicherweise durch das früher erfolgte Weglassen von Androcur) zu kämpfen gehabt. Dann ist auch noch eine Freundin von mir vergangene Woche überraschend gestorben. Jetzt konnte ich vergangene Nacht auch noch kein Auge zudrücken, und fühle mich einfach nur noch gerädert - und das alles wird sicher nicht so schnell bessser. Aber da muss ich durch.
Die Umwelt reagiert erstaunlich sensibel darauf und so ist im Augenblick auch Passing zum ersten mal seit langem ein Problem und jeder kleine Vorfall (vom Pförtner auf die falsche Toilette geschickt, Betrunkene sieht mich an und kann sich ein Lachen nicht verkneifen) wirkt jetzt sowieso verstärkt negativ auf mich :-(
Sonntag, 3. Mai 2009
Kindermund
und schon nach dem ersten bissen fragte der sohn seinen papi: «du, warum hast du ein zipfeli?» «weil ich ein mann bin», antwortete der papi. «hat der mann da (nackter fingerzeig auf angezogenen mann) auch ein zipfeli?»
Frau Rage war das peinlich...
Dabei ist Junior einfach noch unverdorben und kennt das soziale Konstrukt des körperliches Geschlechts noch nicht. Hier steckt die Weisheit im Kind, in den Erwachsenen verdorben durch "kulturelles Wissen", dass man dann wieder zur Basis der Natürlichkeit erklärt.
Auch wenn es ein Tabuthema ist, es gibt Männer, die haben kein Zipfeli - Also einfach ausgedrückt: Kindermund tut Wahrheit kund.
Montag, 27. April 2009
Eilmeldung bezüglich Stimme
Ein Team von TX-Köln hat nun dieses Begleitbuch übersetzt und in Einverständnis mit Andrea James veröffentlicht.
Die Orginalmitteilung dazu ist in Deutsch auf Andrea James Seite zu lesen.
Ein wichtiger Ausschnitt:
Dass eine stimmliche Veränderung wichtig ist, belegt zudem eine Studie, die im Rahmen einer Diplomarbeit an der RWTH Aachen1 durchgeführt wurde. Demnach ist die Stimme das entscheidende Element bei der geschlechtlichen Zuordnung einer Person: Über 71% aller Befragten gaben an, eine Person primär anhand ihrer Stimme einem Geschlecht zuzuordnen.
Das kann ich Bestätigen, obwohl ich selbt noch nicht zufrieden mit meiner Stimme bin, hat sich mit zunehmendem Training mein Passing deutlichst verbessert (auf jeden Fall schaffe ich es schon 24/7 ohne Bruststimme zu sprechen).
Das Begleitbuch auf Deutsch ist hier zu finden.
Donnerstag, 9. April 2009
Am 13. Mai...
Ursprünglich wollte ich im kleinem Kreis am 13. nur dieses eine Jahr feiern, aber jetzt feiere ich auch meine Abreise nach Thailand (wenn nichts dazwischen kommt) um Dr. Suporn zu besuchen. Und nach etwa einem Monat wiederkommen. Heute kam das OK von meinem Arbeitgeber, also steht dem eigentlich nichts mehr im Weg. Ach ja, um das anzumerken, Leute die den dSOCS Prozess durchlaufen haben mögen sich die Augen reiben, denn ich hab erst ein Jahr Psychotherapie... aber
1. stellt Suporn niedrigere Ansprüche,
2. erfülle ich alle Ansprüche nach den internationalen Standarts of Care, was meine Therapeutin auch mit Vergnügen Bescheinigt, die hat sich schon regelrecht Sorgen gemacht, weil ich eigentlich so verbohrt darauf bestanden habe erst die FFS zu machen.
Aber ich halts wirklich nicht mehr aus.
3. War meine Therapeutin (ganz im Sinne der internationalen Behandlungsrichtlinien) schon nach drei Monaten überzeugt, dass ich eine ärztlich verordnete HET bekommen sollte.
Was vielleicht noch entscheidender ist - meine Therapeutin hilft den Klienten, sich selbst zu finden, nicht einfach einen Standartweg zu gehen. Wir sind uns in ein paar Dingen nicht einig, aber in dieser Hinsicht ist sie die bislang Beste, die ich kenne, und meistens hört man ja nur von den Katastrophen.
und in dieser Hinsicht habe ich eine gute Nachricht an alle Norddeutschen, sie will zukünftig auch in Kiel praktizieren.
Montag, 30. März 2009
Internetfundstücke
Inkomplette Stimm Mutation: Pumps und Seelenpein, Welt.de, berichtet darüber, wie Frauen an zu hohen und eintönigen Stimmen leiden können. Eine ein weiteres mal interessante Quersumme – wieder wird psychologisch zu Erklären versucht, was eigentlich Körperlich ist. Aber auch hier hilft die Logopädie.
Und bei den Brainlogs mach ein älterer Herr den Selbstversuch mit Testosteronpflastern –mit Interessanten, aber für eine transsexuelle Person wenig überraschenden Erfahrungen.
Donnerstag, 26. März 2009
Privilegiert
Wenn man feministische Themen liest, so geht es oft um das Thema, wer ist privilegiert und merkt es nicht einmal und macht so anderen Vorschriften (a la “Streng dich doch einfach mehr an…”).
Durch meine Kondition eigentlich fast immer ein Stück unterprivilegiert muss ich nun mittlerweile fest stellen, dass ich privilegiert bin. Ich musste, wie viele andere Frauen, weibliche Interaktion nicht erst erlernen, Teils auch weil ich sie bewusst verlernt habe, sondern ich habe so ab 18 / 19 einfach gelernt “Sperren” aufzubauen auf meinem Verhalten – Sperren die ich wieder abbauen konnte und auch habe. Einige haben nie Sperren aufgebaut, dafür ist Lorielle ein gutes Beispiel, andere haben keine Sperren aufgebaut sondern ein komplett neues Verhalten erlernt und für wieder andere ist es nicht natürlich, sondern sie müssen es wirklich lernen.
Trotz der nach wie vor relevanten Tatsache, dass ich zu Dr. Outsterhout will um ihm viel Geld dafür zu geben, die Narben meiner Pupertät aus meinem Gesicht zu entfernen muss ich sagen, dass ich nur noch wenige Probleme mit meinem Passing habe. Ich (oder besser mein Auto) fallen mehr auf, wenn ich im roten Porsche Unterwegs bin, als wenn ich am Bahnsteig stehe. Es ist ein Leichtfertiger Gedanke dass es auch anderen so geht. Andere Denken sogar dass sei das Zeichen wahrer Transsexualität und wer ein schlechtes Passing hat, könne demnach auch nicht Transssxuell sein (zumindest nicht so genannt Primär).
Ich habe keinen Bedarf mich zu erhöhen, stattdessen nur einen, meinen Göttern zu danken (und bis ich die definiert habe, liegt der Dank ein wenig auf Halde).
Was mir so hilft ist ein angeborener femininer Habitus. Haben den alle Transsexuellen? Wenn man so auf die Studien guckt, liegt das nahe, alle transsexuell Diagnostizierten, die dort auftauchen, haben ein gegengeschlechtliches Gehirn. Alle.
Aber nicht alle haben so viel Glück mit dem Passing, schneller Wirkung der Hormone oder ähnlichem, und ich bin gerade überhaupt nicht die äusserst positive Form. Da kenne ich Andere (persönlich)
Was noch viel mehr quertreibt, für alle, die meinen es gäbe die “echte” Transsexualität ist eine Studie (Bericht dazu), die über Phantomorgane schreibt. 60% aller CIS Männer, die ihren Penis verloren haben, fühlen einen Phantom-Penis, dasselbe gilt für 30% der geschlechtsangeglichenen Frauen (Post Op TS) Das zeigt auf der einen Seite einmal mehr, dass es so etwas wie eine Body Map gibt, ein Gedanke der mir ganz klar macht, dass ich nicht zu den 30% gehören werde - aber andererseits auch folgende Fragen aufwirft:
Wenn 30% einen Phantompenis haben, wären sie ohne OP (aber mit allen anderen Maßnahmen) nicht besser dran gewesen? Riftgirl, die einen entsprechenden Post online hatte, hat das Rechtzeitig gemerkt. Sie ist Frau, da gibt es kein Zweifel… aber die Ausprägung ihrer primären Geschlechtlsorgane war im Gehirn dann doch männlich vernetzt. Sie entschied sich zu einem Leben als NonOp. Andere taten es offensichtlich nicht… und extrem bereut haben sie es wohl auch wieder nicht, denn nur 0.5 - 1.5% kehren in die alte Rolle zurück, Post Op.
Offensichtlich haben die primären Geschlechtsorgane nicht sehr viel mit der wesentlichen Identität zu tun. Und manchmal ist ein missgestaltetes Gefühl da unten wohl besser als ein gefühlt falsches Leben (in dem Fall als Mann oder Geschlecht “dazwischen”)
Andererseits. Wenn 100% aller irgendwie diagnostizierten Transsexuellen ein mit allen verfügbaren (und das sind viele) Methoden immer Aufzeigen: Gehirn dies, Körper dagegen gleich anderes Geschlecht – bedeutet das nichts anderes, als das NonOPs genau die selben körperlichen Gehirnmerkmale teilen. Mit leichten, nach heutigem Stand nicht messbaren, Abweichungen
Einen Mix aus psychischen (für alles TG) und körperlichen Ursachen (für alles “Primär” TS) gibt es also nicht, sondern nur einen, wie von mir, Zoe Brain und Dr. Drantz erwarteten, Fluss der verschiedensten Geschlechterebenen. Der eine Häufung in der einen oder anderen Richtung hat, aber doch nie Eindeutig ist.
HBS Advokaten, packt bitte die Koffer. Ach so, Ihr sprecht meine Sprache ja nicht. Dann müssen wir, die Englisch verstehen, euren Unsinn vielleicht noch länger anhören.